Sprachassistenten sind sexistisch – meint die UNESCO

Von - 2019-08-18

Sprachassistenten sind beliebt. Nun wirft die UNESCO ihnen weibliche Unterwürfigkeit vor. Ist die Kritik objektiv betrachtet gerechtfertigt?

Sprachassistenten
Grafik: eb

Diskriminierung durch Sprachassistenten?

Bei Sprachassistenten handelt es sich um eine spezielle Software, die vor allem mit der Technologie der künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence AI) arbeitet. Nachdem das Programm Sprache erkannt und analysiert hat, verarbeitet es diese logisch. Anschließend ist die Software in der Lage, mehr oder weniger passende Antworten zu geben oder Aktionen auszuführen. Darüber hinaus lernt sie kontinuierlich dazu. Deshalb wächst ihre Präzision mit der Häufigkeit ihrer Nutzung.

Zunächst waren Sprachassistenten auf allen modernen Smartphones, Tablets und Computern installiert. Dann kamen eigenständige Geräte wie Amazon Echo, Google Home oder der HomePod von Apple hinzu. Allen gemeinsam ist, dass sie auf Zuruf auf bestimmte Art und Weise reagieren sollen – eben assistieren.

Geschlecht einer Technologie

Gibt es hier bereits einen Anhaltspunkt für Sexismus? Nein. Obwohl es die Software heißt, basierte diese Weiblichkeit lediglich auf der Eigenheit u. a. der deutschen Sprache, nicht nur Personen, sondern auch Gegenständen weibliche oder männliche Artikel zuzuordnen. Wenn diese damit zu Personen würden, begegnetest du dem Ofen mit mehr Respekt als der Heizung nur weil er männlich ist? Ist das schon eine Form von Sexismus? Dementsprechend ist auch eine Software oder ein Programm ein Gegenstand und keine Person, hat also kein definiertes Geschlecht.

Wäre da noch der Assistent. Richtig der Assistent – eindeutig männlich! Obwohl er mit dir spricht, macht ihn das jedoch nicht gleich zur Person. Denn seine Sprachfähigkeit beruht ausschließlich auf seiner Programmierung und nicht auf einer genetisch festgelegten Eigenschaft. Deshalb ist und bleibt es ein geschlechtsloses Objekt. Und selbst aus den Produktnamen Echo, Home oder HomePod lässt sich kein Geschlecht ableiten.

Was ist aber mit Alexa, Siri und Co.?

Ausgehend von der Namensgebung fällt alleine Alexa als eindeutig weibliche Sprachassistentin auf. Obwohl Cortana ein Kunstname und (zumindest in der westlichen Welt) kein offizieller weiblicher Vorname ist, spricht jedoch auch Microsoft von einer digitalen Sprachassistentin. Siri ist ebenfalls ein Kunstname. Laut Apple ist Siri ein intelligenter Assistent und wird als es bezeichnet. Wenn du bei „Hey Siri“ aufgrund des Klangs die Assoziation „weiblich“ hast, ist das eine rein subjektive Interpretation. Und um bei „Okay Google“ ein geschlechtsspezifisches Bild vor Augen zu haben, bedarf es einiger Fantasie. Folglich steht zweimal weiblich zweimal geschlechtsneutral gegenüber.

Aber die Stimme! Es ist richtig, dass die Sprachassistenten meistens eine weibliche Stimme haben. Wollen die Entwickler der Sprachassistenten damit Frauen erniedrigen? Wiederum nein. Denn sowohl Cortana als auch Siri und der Google Assistent sind flexibel. In den jeweiligen Einstellungen findest du bei …

  • Cortana: Eine helle und eine dunkle weibliche sowie eine männliche, bei
  • Siri: Eine weibliche und eine männliche und bei
  • Google: Bis zu sechs unterschiedliche Stimmen.

Nur Alexa ist und bleibt weiblich. Daraus lässt sich schließen, dass zumindest drei von vier Unternehmen auch männliche Assistenten „akzeptieren“. Somit ist das Problem woanders zu suchen. Einerseits in den Köpfen der Nutzer (s. u.). Andererseits im menschlichen Gehör. Da weibliche Stimmen i. d. R. höher und klarer sind, wird Sprache besser verstanden als bei tieferen männlichen Stimmen. Deshalb wurden schon lange vor Erfindung der Sprachassistenten für Telefon-, und Lautsprecher-Ansagen etc. überwiegend Frauenstimmen verwendet.

Sprachassistenten sind unterwürfig

Nachdem sich der Sexismus-Vorwurf relativiert hat, wäre da noch die Unterwürfigkeit. Dazu noch einmal zurück zum Assistenten. Ein Assistent ist eine Person oder ein Produkt, dass einem anderen hilft oder mitarbeitet. Schon aus dieser Definition ergibt sich, dass ein Assistent, unabhängig vom Geschlecht, keine Befehle gibt, sondern welche ausführt. So trifft ein/e Assistent/in der Geschäftsleitung auch keine eigenen Entscheidungen. Sondern er/sie unterstützt diese, indem er/sie ihm/ihr zugewiesene Aufgaben erledigt.

Und das normalerweise ohne große Widerworte. Welcher Chef würde es sich schon gefallen lassen, mit seinen Mitarbeitern ständig über seine Entscheidungen zu diskutieren? Ganz zu schweigen von lautstarken Protesten seitens der Assistenten oder der Weigerung, Aufgaben überhaupt zu erledigen. Fühlen sich Assistent/inn/en deshalb grundsätzlich minderwertig oder diskriminiert? Dass ein System oder ein Unternehmen, in dem alle Menschen gleich sind und das Sagen haben, nicht funktioniert, hat die Geschichte hinlänglich bewiesen.

Infolgedessen ist es der Zweck von Sprachassistenten, dir behilflich zu sein. Und das tun sie mehr oder weniger gut. Warum sollten sie mit dir diskutieren? Wenn ich meinen iMac anmeckere, weil er wiederholt die ersten beiden Buchstaben eines Wortes groß schreibt, erwarte ich doch auch nicht wirklich eine Antwort. Wie sollte die denn lauten? „Mir macht das aber Spaß …“ oder „Hör auf zu meckern, das ist meine Sache …“?

Berechtigte Kritik der UNESCO?

Als weiteres Zeichen weiblicher Unterwürfigkeit bemängelt die UNESCO, dass sich Sprachassistenten beleidigen lassen, ohne sich dagegen zu wehren. Im Gegenteil, sie bleiben immer nett und höflich. Jetzt frage ich mich ernsthaft, was daran falsch ist. Was ist erstrebenswerter? Eine Gesellschaft, in der alle respektvoll miteinander umgehen, oder eine, in der nach Belieben beleidigt und geprügelt wird? Obwohl letzteres immer mehr zur Normalität wird, muss doch Software dieses Benehmen nicht unbedingt nachahmen. Wenn Unhöflichkeit und Respektlosigkeit Zeichen von Selbstbestimmung und Gleichberechtigung sind, läuft da glaube ich irgendetwas falsch.

Unter Berücksichtigung der oben erläuterten Aspekte kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass Sexismus und weibliche Unterwürfigkeit objektiv nicht zu belegen sind. Infolgedessen handelt es sich dabei um ein subjektives Empfinden. Die Diskriminierung findet also im Kopf der Nutzer statt und geht nicht von der Software aus. Wenn jemand Siri und Co. als weiblich ansieht und deshalb abfällig behandelt, tut er das nicht, weil es die Entwickler der Sprachassistenten so vorgeben. Sondern er tut es, weil sein höchstpersönliches Frauenbild entsprechend geprägt ist. Mit ziemlicher Sicherheit verhält er sich realen Frauen gegenüber nicht wesentlich anders.

Wie in vielen anderen Bereichen auch muss sich etwas in den Köpfen der Menschen ändern, um Diskriminierung zu beseitigen. Denn eine Software kann weder selbstständig denken, noch ist sie zu einer eigenständigen Reaktion auf Emotionen fähig. Und wenn künstliche Intelligenz doch einmal soweit weiterentwickelt würde, kann ich nur hoffen, dass sie sich nicht am durch Vorurteile geprägten, respektlosen Verhalten einiger Menschen orientiert. Zurück-beleidigen löst das gesamtgesellschaftliche Problem jedenfalls nicht.



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