5G Frequenzen | Wem nützt ein schneller 5G Ausbau?


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Mobilfunk 5G Frequenzen
5G Frequenzen: Nutzen und Ausbau

5G Frequenzen: Was bedeutet 5G und worüber streiten Netzbetreiber und Bundesnetzagentur? Wie schnell schreitet der 5G Ausbau voran?

Inhaltsverzeichnis

Start des 5G Ausbaus

Nachdem die Auktion beendet war, freute sich der Bund über einen Gesamt-Erlös von mehr als 6,5 Milliarden Euro. Zwar waren nicht alle Netzbetreiber uneingeschränkt glücklich über den Ausgang der Versteigerung, aber jetzt konnte mit dem Ausbau begonnen werden.

Am 16. Juli 2019 preschte Vodafone vor und verkündete: „Heute startet 5G in Deutschland. Wir machen: 5G. Einfach. Jetzt.“ Das erste Handynetz startet zunächst an 25 Stationen. Bis August 2019 sollen noch weitere 25 dazukommen. Hannes Ametsreiter (CEO Vodafone Deutschland) äußerte sich wei folgt:

Deutschlands 5G-Reise beginnt jetzt. Diese Reise ist kein Wochenend-Trip. Sie ist ein Abenteuer, das sich über viele Jahre erstreckt.
Es ist noch ein weiter Weg bis 5G großflächig verfügbar ist. Aber: Klein beginnt alles, was später groß werden will.

Quelle: Vodafone Newsroom

September 2019

Wie bereits angekündigt war Vodafone der erste Netzbetreiber, der an einigen Standorten 5G anbot. Seit August funken mehr als 50 Stationen mit 120 5G-Antennen im Netz (s. auch Meldung vom 15.08.2019). Anfang September startete dann auch die Telekom ins 5G-Zeitalter. So steht das neue Netz in Berlin, Bonn, Darmstadt, Köln und München zur Verfügung. Bis Ende des Jahres sollten Hamburg und Leipzig folgen.

Etwas mehr Zeit wird der Ausbau bei 1&1 brauchen. So peilt das Unternehmen den Start des ersten eigenen Mobilfunknetzes für das Jahr 2021 an. Jedoch zunächst nur in den Städten. Denn in der Fläche werden zusätzliche Frequenzen benötigt, die vor 2016 nicht verfügbar sein werden. Eine Zwischenlösung wäre National Roaming. Diesbezüglich steht 1&1 in Verhandlungen mit Telefónica.

Stand Juli 2020

Sowohl die deutsche Telekom als auch Vodafone verkünden in regelmäßigen Abstände Erfolge beim 5G Ausbau. Natürlich profitieren davon in erster Linie die Ballungsbebiete. Jedoch investiert die Telekom auch schon in der Fläche, wo Vodafone noch etwas zurückliegt.

5G Ausbau 07-2020
5G Ausbau (Screenshots: eb/Telekom, Vodafone)

Quellen: Telekom Netzausbau (links) – 5G Netz von Vodafone (rechts)

Nach wie vor ist von entsprechenden Aktivitäten von 1&1 IONOS nichts bekannt. Bisher konzentrierte sich Telefónica / O2 auf den flächendeckenden Ausbau des LTE-Netzes, das gegenüber den Netzen der Telekom und von Vodafone immer noch hinterher hinkt und stellte 5G für 2021 in Aussicht.

Für manche etwas überraschend verkündete O2 am 3. Oktober 2020 , dass 5G ab sofort in den 5 Großstädten (Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, München) sowie in Potsdam, Essen, Düsseldorf und Stuttgart verfügbar sei. Bis Ende 2021 solle es dann 2.500 Stationen geben.

Ob dies wirklich eine Verbesserung für den Durchschnitts-Smartphone-Nutzer bringt und wirklich genutzt wird, lässt sich noch schwer feststellen. Denn bisher sind nur wenige, meist recht teure Geräte, die für diesen Standard ausgelegt sind, auf dem Markt.

Nutzererfahrung

Im August 2020 hat OPENSIGNAL die Ergebisse seiner Analyse der 5G Nutzererfahrung (englisch) in den 12 führenden Ländern veröffentlicht. Hinsichtlich der durchschnittlichen Download-Geschwindigkeit (4G + 5G) steht Deutschland mit 44,7 Mbit/s an 9. Stelle. Damit liegt es zwar weit hinter Saudi-Arabien mit 144,5 Mbit/s, aber immer noch vor den USA mit 33,4 Mbit/s.

Ein Vergleich der 4G- und 5G-Downlaod-Geschwindigkeit zeigt, dass diese in Deutschland bei 5G 3,3-mal höher ist als bei 4G (102,0 Mbit/s / 30,6 Mbit/s). Somit steht es an drittletzter Stelle. Auch hier liegt Saudi-Arabien wieder vorne mit einer 14,3-mal höheren Geschwindigkeit. Allerdings beträgt diese dort mit 4G auch nur 28,9 Mbit/s. Hingegen bildet die USA das Schlusslicht mit 28,9 Mbit/s 4G und dem nur 1,8-mal schnelleren 5G mit 50,9 Mbit/s.

So gut oder schlecht diese Werte auch ausfallen, wichtig ist für den Nutzer vor allem die Verfügbarkeit. Wie zu erwarten belegt Saudi-Arabien wiederum den Spitzenplatz mit einer Verfügbarkeit von 34,4 % (4G = 86,0 %). Deutschland liegt mit 10,3 % (5G) und 86,1 % (4G) an 8. Stelle. Den letzten Platz belegt hier Großbritannien mit 4,5 % 5G und 88,8 % 4G Verfügbarkeit.

In Anbetracht dessen, dass die 5G-Nutzung in Deutschland erst Ende 2019 langsam begonnen hat, sind die Werte im Vergleich gar nicht so schlecht.

5G Standalone

Bisher ist es so, dass die Nutzung von 5G technisch noch ein gleichzeitig verfügbares 4G-Netz voraussetzt. In einer Pressemitteilung vom 5. März 2021 teilte die Telekom mit, dass sie wiederum eine Vorreiter-Position einnimmt. So gelang es nach zahlreichen Test, den ersten Video-Anruf von Bamberg nach Bonn über eine 5G Standalone (unabhängige) Antenne in Garching durchzuführen.

Die Vorgeschichte

Wie bereits zwei Mal zuvor sollte auch im Frühjahr 2019 eine Versteigerung unter Aufsicht der Bundesnetzagentur stattfinden. Dabei ging es dieses Mal um 5G Frequenzen. Nachdem die Bundesnetzagentur ihr neues Regelwerk vorgestellt hatte, äußerten die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica (o2) deutlich ihren Unmut.

Was ist 5G?

Eigentlich handelt es sich beim 5G-Netz nicht um etwas wirklich neues. Im Gegensatz zum Schritt von 3G (UMTS) zu 4G (LTE) steckt hinter 5G keine neue Technologie. Sondern es ist „nur“ eine Weiterentwicklung von Long Term Evolution (Langzeitentwicklung). Um deren Vorteile nutzen zu können, werden 5G Frequenzen benötigt. Diese sind

  • bis 100fach höhere Datenrate als heutige LTE-Netze (also bis zu 10.000 MBit/s),
  • rund 1000fach höhere Kapazität,
  • weltweit 100 Mrd. Mobilfunkgeräte gleichzeitig ansprechbar,
  • extrem niedrige Latenzzeiten = Ping von unter 1 Millisekunde,
  • 1/1000 Energieverbrauch pro übertragenem Bit,
  • 90% geringerer Stromverbrauch je Mobildienst.

Quelle: LTE-ANBIETER-INFO

Interessant ist dieser Standard vor allem für Industrie und Landwirtschaft – Stichworte: Kommunikation von Maschine zu Maschine, Autonomes Fahren, Internet der Dinge …

Streitpunkte

Die von der Bundesnetzagentur aufgestellten Regeln zur Vergabe von 5G Frequenzen wurden von „Regierungsbehörden“ gelobt. Jedoch haben die Netzbetreiber schnell Bedenken geäußert. Vor allem kritisieren sie

  • eine fehlende Planungssicherheit sowie
  • unrealistische Ausbauauflagen.

Dagegen soll es hinsichtlich des ebenfalls umstrittenen National Roaming bis auf weiteres keine verbindliche gesetzliche Regelung geben. Zunächst stand eine entsprechende Verpflichtung der Netzbetreiber im Raum. Ihr zufolge sollten sie die Nutzung ihrer Netze durch andere Anbieter zuzulassen. Anschließend würden Nutzer von Smartphones in Gebieten mit ungenügendem Empfang im gebuchten Netz automatisch mit dem Netz eines anderen Betreibers verbunden.

Klage wegen Vergabebedingungen

Dennoch hatten Vodafone, Telefónica und auch die Telekom Klage gegen die Bundesnetzagentur eingereicht. Zur Vergabe der Frequenzen teilten die Unternehmen mit:

Wir haben unsere rechtlichen Bedenken gegen verschiedene Bedingungen frühzeitig geäußert und uns nach eingehender Prüfung der verabschiedeten Vergabebedingungen zur Klage entschlossen.

Vodafone

Die von der Bundesnetzagentur beschlossenen Vergabebedingungen enthalten aus unserer Sicht rechtliche Unklarheiten und Investitionshemmnisse.

Guido Heitmann, Telefónica

Ähnlich äußern sich Vertreter der Telekom:

Wir haben von Beginn an gesagt, dass die für die Auktion vorgesehenen Auflagen aus unserer Sicht unrealistisch sind und Rechtsunsicherheit schaffen.
Die verschärften Ausbauauflagen gehen deutlich über das hinaus, was die Bundesnetzagentur zuvor selbst als zumutbar und verhältnismäßig beschrieben hat.
Die Umsetzung dieser Auflagen sei schon aus heutiger Sicht unrealistisch. Die völlig unklaren Regelungen zum nationalen Roaming gefährden Investitionen, insbesondere im ländlichen Raum.

nach: HEISE

Ganz anders kommentierte ein Sprecher des Bundeskartellamts die Regelungen zur Vergabe von 5G Frequenzen:

Die Bundesnetzagentur hat unter den gegebenen Umständen einen guten Vorschlag für die Vergabelizenzen gemacht.
Die nationalen Netzbetreiber werden verpflichtet sein, mit anderen Anbietern fair über einen diskriminierungsfreien Netzzugang zu verhandeln.

Quelle: STERN

Umstrittene Versorgungsauflagen

Neben den drei hier genannten hatten sechs weitere Unternehmen Klage beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht. Darunter auch United Internet (1&1). Das Unternehmen hatte Mitte Januar beschlossen, sich ebenfalls an der Versteigerung zu beteiligen.

Obwohl die Klagen beim Verwaltungsgericht noch anhängig waren, hatte Telefónica (O2) einen Eilantrag gestellt. Darin bemängelte das Unternehmen die Auktionsbedingungen. Insbesondere mit den von der Bundesregierung beabsichtigten Versorgungsauflagen zur Beseitigung von Funklöchern war das Unternehmen nicht einverstanden. Im Gegensatz zu den bereits zuvor eingereichten Klagen könnte dieser Eilantrag eine aufschiebende Wirkung haben. Das wiederum würde bedeuten, dass der für Mitte März geplante Versteigerungs-Termin zunächst ausgesetzt würde.

Nachdem am 15.02.2019 auch Vodafone einen Eilantrag gegen die Auktion beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht hatte, wurde eine Verzögerung der Versteigerung immer wahrscheinlicher. Vodafone begründete das gegenüber dem Handelsblatt damit, dass

„die ursprünglich von der Bundesnetzagentur vorgelegten Auktionsbedingungen in den vergangenen Monaten durch externen Druck stark verändert wurden. Außerdem wolle Vodafone die Möglichkeit haben, seine juristischen Interessen zu vertreten. „

Als Dritter im Bunde entschloss sich nun auch die Deutsche Telekom, einen Eilantrag beim Kölner Verwaltungsgericht einzureichen. Tim Höttges, Chef der Telekom äußerte, dass „er nicht glücklich über das Auktionsdesign sei“ und ergänzte:

Ich hoffe, dass das Gericht die Eilanträge und die Argumente, die vorgetragen werden, berücksichtigt.

Quelle: FRANKFURTER ALLGEMEINE

Vier Unternehmen bieten auf die Frequenzen

Am 25.02.2019 hatte die Bundesnetzagentur die Drillisch Netz AG, Telefónica Germany GmbH & Co. OHG, die Telekom Deutschland GmbH sowie die Vodafone GmbH zur Teilnahme an der Versteigerung zugelassen. Hierzu sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur:

Frequenzen für Mobilfunk sind begrenzt und sollen daher im Interesse der Verbraucher effizient genutzt werden. Die Bundesnetzagentur hat im Zulassungsverfahren geprüft, ob die Antragsteller über die Fähigkeiten und Mittel für einen bundesweiten Netzausbau verfügen. Mit der Zulassung der Drillisch Netz AG erhält ein weiteres Unternehmen die Chance, Frequenzen zu erwerben und den Wettbewerb zu stärken.

Quelle: Bundesnetzagentur

15. März 2019: Das Verwaltungsgericht Köln hatte die Eilanträge der Mobilfunkbetreiber abgelehnt. Demzufolge begann die Auktion wie ursprünglich vorgesehen am Dienstag, 19.03.2019.

Fazit

Für Sie als Nutzer eines Smartphones oder Mobilfunk-fähigen Tablets sind die 5G Frequenzen nicht wirklich wichtig. Denn die Geschwindigkeiten, die mit LTE erreicht werden, reichen für eine komfortable Nutzung aller Anwendungen auf mobilen Geräten vollkommen aus. Hingegen ist der flächendeckenden Ausbau des LTE-Netzes von wesentlich größerer Bedeutung. Dennoch gibt es inzwischen einige Smartphones, die 5G Frequenzen nutzen können, auch wenn deren Mehrwert bisher noch nicht flächendeckend von Bedeutung ist.

Anders sieht das bei Unternehmen aus. Um moderne Technologien zuverlässig nutzen zu können und den Anschluss an den Weltmarkt nicht zu verlieren, sind sie auf den Zugang zum neuen Standard angewiesen. Einerseits müssen dafür entsprechende 5G Frequenzen verfügbar sein. Andererseits muss 5G auch flächendeckend angeboten werden, da sich viele Unternehmen eben nicht nur in Städten und Ballungszentren angesiedelt haben.

Unter dem Gesichtspunkt des Ausmaßes an Investitionen, die die Netzbetreiber hierfür tätigen müss(t)en, kann es trotz aller Innovationsfreundigkeit noch einige Zeit dauern, bis alle von den 5G Frequenzen profitieren können.

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