Vectoring, Hybrid 5G und Glasfaser versprechen schnelles Internet für alle und sind besser als die noch vorhandenen Kupferkabel . Jedoch haben auch sie Nachteile.
Lesezeit: ca. 7 Minuten

INHALT
- Schnelles Internet für alle
- Gibt es ein einheitliches Glasfaser-Netz?
- Beseitigt Vectoring alle Probleme?
- Ist 5G eine Alternative?
- Fazit
Schnelles Internet für alle
Auch für die Datenübertragung zum Beispiel der Telekom wurden zunächst die bestehenden, von der Deutschen Post übernommenen, Telefonnetze genutzt. Die damals verlegten Kupferkabel werden noch heute vor allem innerhalb von älteren Gebäude genutzt.
Welche Nachteile haben Kupferkabel?
Über Kupferkabel kann in der Regel nur eine maximale Übertragungsrate von 50 MBit/s erreicht werden. Je länger die Entfernung zum nächstgelegenen Verteiler ist, desto langsamer ist das Netz beim Endnutzer. Hinzu kommen Einschränkungen durch
- elektromagnetische Störungen und
- Signal-Überlagerungen.
Mit modernen Glasfaserkabeln sind im Telekom-Netz momentan jedoch schon Geschwindigkeiten von bis 250 MBit/s möglich.
Zunächst scheint es relativ einfach zu sein, ein schnelles Internet für alle zu realisieren. Die Telekom müsste nur alle alten Kupferkabel durch Glasfaserkabel ersetzen. Somit wäre die Verfügbarkeit nur eine Frage der Zeit und natürlich auch des Geldes.
Gibt es ein einheitliches Glasfaser-Netz?
Nein, strenggenommen handelt es sich um mehrere Netze. Einerseits die Leitungen, die von der Vermittlungszentrale zum Verteiler führen. Andererseits die Kabel, die den Verteiler mit den einzelnen Hausanschlüssen verbinden sowie die, die innerhalb von Häusern verlegt sind.
Wem gehören die Kabel?
Die Telekom vertritt die Auffassung, dass auch alle Kabel ihr gehören. Konkurrenten wie Vodafone sehen sie jedoch als Bestandteil des Grundstücks an. Dementsprechend wären die jeweiligen Hausbesitzer auch Eigentümer der Leitungen. Nach Meinung der Bundesnetzagentur gehört die Verkabelung laut Telekommunikationsgesetz zum Teilnehmeranschluss.
Daraus folgt, dass dessen Eigentümer der Betreiber des Telekommunikationsnetzes sei. Also entscheide dieser auch über die Nutzung der Leitungen und nicht der Haus- oder Grundstückseigentümer. Auch wenn somit die Telekom der Eigentümer aller Kabel ist, bedeutet das nicht, dass alle Leitungen gleich behandelt werden. Das wäre aber die Voraussetzung für ein schnelles Internet für alle.
Stephan Albers, Geschäftsführer des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko), sagt dazu:
„Anstatt zukunftssicherer Glasfaser bis in die Gebäude einen klaren Vorrang einzuräumen, wird vielmehr der Telekom ein Bestands- und Vertrauensschutz auf ihre längst abgeschriebene Kupfer-Infrastruktur gewährt. Die Telekom erhalte damit ein „Quasi-Monopol“ über die Gebäudeverkabelung. Dies sei das falsche Signal vor allem vor dem Hintergrund der neuen Breitbandziele der Bundesregierung, die Deutschland bis 2025 flächendeckend mit Gigabit-Geschwindigkeit versorgt sehen will.“ Quelle: › WELT
Gibt es neue Monopole beim Glasfaser-Ausbau?
Zwar gibt es kein deutschlandweites Monopol mehr, wie das bei der Telekom der Fall war, jetzt aber ein regionales. Die zahlreichen Anbieter von Glasfaser-Anschlüssen haben offensichtlich die Regionen und Städte unter sich aufgeteilt.
Vor etlichen Jahren oder sogar Jahrzehnten atmeten viele Telefonnutzer auf. Endlich wurde das gefühlt ewig bestehende Monopol der Deutschen Post, deren Nachfolger die Telekom ist, aufgehoben. Jeder konnte zwischen einer Anzahl von Anbietern wählen und nach Belieben zu einem anderen Anbieter für Telefonie, Internet und / oder TV/Rundfunk wechseln.
Im Zuge des Glasfaser-Ausbaus kommt es nun bei manchen, die sich noch an die alten Monopolzeiten erinnern, zu einer Art Déjà-vu. Wenn du in einem bestimmten Ort wohnst, gibt es in der Regel nur einen Anbieter, der den Ausbau vornimmt. Entweder du schließt einen Zwei-Jahres-Vertrag mit diesem Anbieter ab, ziehst an einen Ort, wo dein alter DSL-Anbieter Glasfaser verlegt oder du bekommst eben kein schnelles Internet.
Wird es Glasfaser überall geben?
Zunächst werden nicht überall Glasfaserkabel verlegt. Die neuen Anbieter prüfen erst, wie viele Anschlüsse in einem Gebiet überhaupt gewünscht werden. Sind es zu wenige potentielle Kunden, investieren sie nicht in den Ausbau. Selbst wenn sie zum Ausbau bereit sind, ist offen, wann der Anschluss dann tatsächlich kommt. Das kann unter Umständen ein Jahr und länger dauern. Seinen alten Vertrag bereits beim Abschluss des neuen zu kündigen, um nicht doppelt zahlen zu müssen, führt nicht selten zu Problemen.
Theoretisch könntest du nach Ablauf der zwei Jahre den Anbieter wieder wechseln. Allerdings ist nicht sicher, ob du zu deinem alten Provider zurückkehren kannst, da die regionalen Betreiber nicht jeden anderen Anbieter in ihr Netz lassen. Selbst wenn es diesbezüglich keine Einschränkung gäbe, müsstest du einen neuen Vertrag abschließen, dessen Konditionen unter Umstände andere wären und deine alten Vorteile fielen selbstverständlich auch weg.
Steigen die Gebühren beim Umstieg auf Glasfaser?
Der Anschluss kann beim neuen Anbieter, je nach dem Umfang und der Laufzeit deines alten Vertrags, deutlich teurer werden. Da die Konkurrenz fehlt, bestimmt dieser eine Anbieter natürlich auch den Preis und die Konditionen nach seinem Belieben.
Dabei ist der Unterschied zwischen der Gebühr für Glasfaser anstelle von DSL nicht mehr groß. Jedoch müssen Nebenkosten wie Verlegung von Kabeln innerhalb des Hauses, neuer Router, Wegfall der Vergünstigungen aufgrund langer Treue zum alten Anbieter, das zusätzliche Abonnieren von Streaming-Diensten, die eventuell im alten Vertrag enthalten waren, etc. hinzugerechnet werden.
Beseitigt Vectoring alle Probleme?
Diese Technologie soll die Störungen bei Kupferkabeln vermindern oder ausgleichen. Anschließend wären höhere Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s möglich. Doch können davon aufgrund eienr begrenzten Anzahl von Ports nie alle Anschlüsse profitieren.
Zwar vermeldet die Telekom monatlich neue Erfolge beim Glasfaser-Ausbau, verschweigt jedoch, dass es sich dabei nur um die Kabel bis zum Verteiler handelt. Hinter dem Verteiler bleibt oft aber alles beim Alten. Es sei denn, die Haus- oder Grundstückseigentümer wären bereit, für einen Austausch der vom Verteiler abgehenden Leitungen selbst zu zahlen. Allein aufgrund der Höhe der Kosten ist deshalb die Anbindung jeder einzelnen Wohnung mit Glasfaserkabel in absehbarer Zeit nicht zu verwirklichen. Schnelles Internet für alle ist folglich bisher nur ein Traum.
Als Ausweg aus dem Dilemma propagiert die Telekom das Vectoring. Hierzu installiert die Telekom in den Verteilerkästen Vetoring-Geräte, die Störsignale ausschalten sollen. Allerdings kann an einem Verteiler nur ein Vectoring-Gerät mit einer begrenzten Anzahl an Ports eingesetzt werden. Je nach Größe des durch einen Verteiler versorgten Gebiets, ist es somit kaum möglich, schnelles Internet für alle zu garantieren.
Warum nicht mehrere Kabel an einem Hausanschluss?
Beispielsweise haben Vodafone und bis 2019 Unitymedia, das heute zu Vodafone gehört, eigene Glasfaserkabel bis zu den Hausanschlüssen verlegt. Auch andere Anbieter tun dies inzwischen. Jedoch kommt es an diesen, sich meistens im Keller befindlichen Übergabepunkten zu neuen Störungen.
Denn von dort führen die alten Kupferkabel in die Wohnungen. Wenn neben der Telekom auch noch andere Anbieter Zugang zu diesen Kabeln haben, stören sich die Signale gegenseitig. Diese Frequenzüberschneidungen können zu Verbindungsabbrüchen führen, was wiederum das Ziel, ein schnelles Internet für alle anzubieten, ausbremst.
Wie können Störungen vermieden werden?
Als Eigentümerin der Kabel sieht die Telekom zwei Lösungsmöglichkeiten:
- Abschalten der anderen Glasfaser-Anschlüsse.
- Aufforderung, die Konkurrenten sollten Frequenzen für das Vectoring freimachen.
Anschließend wäre die Leistung der Konkurrenz-Leitungen auf maximal 600 MBit/s begrenzt. Noch wäre diese Drosselung das kleinere Übel, da die Leitungen noch nutzbar wären und die meisten Kunden sowieso wesentlich geringere Geschwindigkeiten buchen. Aber im Hinblick auf zukünftige Geschwindigkeiten im Giga-Bit-Bereich würde das die Konkurrenten quasi vom Markt verdrängen.
Schnelles Internet für alle – kurzer Erfahrungsbericht
Wie ich selbst erlebt habe, ist für schnelles Internet für alle zumindest viel Geduld nötig. Zwar ist der für mich zuständige Verteiler schon seit langem an das Glasfasernetz angeschlossen. Dennoch sah sich die Telekom außerstande mitten in dessen Versorgungsbereich vier Gebäuden, zu den auch meines gehört, mehr als 50 MBit/s anzubieten, obwohl sie dort gleichzeitig Werbung für die Buchung von 100 MBit/s machte.
Nachdem ich die Telekom hartnäckig auf dieses Problem hingewiesen habe – und als Unternehmerin habe ich sicherlich mehr Möglichkeiten Gehör zu finden, als dies meistens bei Privatkunden der Fall ist – wurde erst nach zwei Jahren angeblich ein Port frei. Natürlich habe ich sofort zugegriffen, denn schließlich bin ich nicht zuletzt als Webdesignerin auf schnelles Internet angewiesen.
Kurz nachdem mein Internet schneller geworden war, startete die Telekom ihre Werbekampagne für 250 MBit/s. Wenn ich von der oben beschriebenen Wartezeit von zwei Jahren für 50 MBit/s mehr ausgehe, dürfte also eine Beschleunigung von jetzt 100 MBit/s auf 250 MBit/s ca. sechs Jahre dauern – eine schöne Aussicht. So hat sich natürlich seit der offiziellen Ankündigung 2020 bis Anfang 2025 diesbezüglich bei meinem Anschluss natürlich noch nichts bewegt, aber es sind ja seitdem auch erst vier Jahre vergangen …
Auch ein Glasfaseranschluss der Telekom ist nicht in Sicht. In meinem Gebiet scheint ein anderes Unternehmen das „Monopol“ für den Glasfaserausbau und somit schnelles Internet für alle zu haben. Hierzu muss jedoch ein Zwei-Jahres-Vertrag mit diesem Anbieter abgeschlossen werden und ein späterer Wechsel zurück ist aufgrund fehlender Abkommen der beiden Anbieter nahezu ausgeschlossen.
Ist 5G eine Alternative?
An Standorten, an denen ein Ausbau des Glasfasernetzes nur schleppend oder gar nicht vorankommt, wird seit Einführung des 5G Netzes dieses immer häufiger als Alternativlösung genannt. Jedoch dürften die Größe des benötigten Datenvolumens, die Abschirmung innerhalb von Gebäuden sowie die Tatsache, dass noch nicht alle Geräte 5G-fähig sind, ein Hindernis darstellen.
Da das mobile Netz im Vergleich zu WLAN beziehungsweise DSL vielerorts nicht allzu stabil ist, bezweifle ich momentan noch, ob es überall für eine Dauernutzung für die Arbeit am PC mit intensivem Datentransfer oder Cloud Computing wirklich geeignet ist.
Hybrid 5G
Ab 1. Februar 2923 steht eine weitere Alternative für ein schnelles Internet für alle zur Verfügung. Die Telekom bündelt das Festnetz und den Mobilfunk und bietet eine › 5G-Hybridlösung für zuhause an. Über das Mobilfunknetz werden so Geschwindigkeiten von bis 300 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload erreicht. Um diese neue Technik zu Hause nutzen zu können, benötigst du
- einen neuen Router, den Speedport Smart 4 sowie
- einen 5G-Empfänger von der Telekom.
Außerdem muss ein 5G-Empfänger außen am Gebäude angebracht und über ein Kabel mit dem Router verbunden werden. Sobald die Verbindung hergestellt ist, richtet sich der Router automatisch am Festnetzanschluss ein. Der Vorteil der Hybrid 5G Option ist, dass du nicht nur ein schnelleres Internet erhälst, sondern dass es auch ausfallsicherer ist. Sobald Probleme im Festnetz auftreten, erfolgt automatisch die Umstellung auf das Mobilfunknetz.
Natürlich ist dieser Service nicht kostenlos zu haben, denn du musst deinen Festnetzvertrag dahingehend ändern, dass du für ein schnelles Internet für alle › Hybrid 5G hinzubuchst. Als Telekom-Kunde mit einer geringen DSL-Bandbreite und einem XS- oder S-Vertrag erhältst du die Option kostenlos. Inhabern anderer Tarife entstehen dafür monatlich zusätzliche Kosten.
Gibt es auch einen Haken? Ja, denn bei dieser Art schnelles Internet für alle ist die Voraussetzung, dass das 5G-Netz an deinem Standort bereits entsprechend ausgebaut ist. Laut Telekom sollen jedoch auch Nutzer im LTE-Netz von dem neuen Angebot profitieren.

Fazit
Schnelles Internet für alle wird wohl auch in der näheren Zukunft ein Traum bleiben, obwohl es inzwischen einige vielversprechende Ansätze gibt. Natürlich haben die neuen Angebote auch ihren Preis und sind, wie die Glasfaserkabel, ebenfalls noch nicht überall nutzbar.
FAQs
Welche Nachteile haben Kupferkabel?
Maximale Übertragungsrate von 50 MBit/s, elektromagnetische Störungen, Signalüberlagerungen
Welche Geschwindigkeiten sind mit Glasfaserkabeln möglich?
Bis zu 250 MBit/s (bei der Telekom).
Gibt es ein Monopol beim Glasfaserausbau?
Im Prinzip ja, denn für die ersten zwei Jahre muss du einen Vertrag dem Anbieter abschließen, der in deiner Region Glasfaser verlegt.
Kann der Glasfaser-Anbieter beliebig gewechselt werden?
Nein. Nach den ersten zwei Jahren kannst du zwar wechseln, aber die „Ausbauenden“ erlauben meistens nur die Nutzung ihrer Kabel durch bestimmte andere Anbieter.
Was bedeutet Vectoring?
Es soll das Problem lösen, dass Glasfaserkabel meistens nur bis zum Haus, aber nicht innerhalb des Hauses verlegt werden. Über ein Vectoring-Gerät im Hauptverteiler sollen Störugen vermieden werden, jedoch stehen oft nur wenige Ports zur Verfügung.
Ist 5G oder Hybrid 5G die Lösung?
Nur mit Einschränkungen, denn in beiden Fällen ist ein stabiler Mobilfunkempfang Voraussetzung, der noch nicht überall gegeben ist. Darüber hinaus muss das gebuchte Datenvolumen ausreichend groß sein, um alle Dienste uneingeschränkt nutzen zu können.
Gibt es ein schnelles Internet für alle?
Bislang ist das noch eine Utopie. In absehbarer Zeit wird weder überall Glasfaserkabel verlegt und bis in die Wohnungen angeschlossen sein, noch dürften beim Mobilfunk alle weißen Flecken verschwinden.
© eb | › Externe Verlinkungen: Dieser Beitrag enthält keine Affiliate-/Partner-Links.


