Schnelles Internet für alle

Schnelles Internet für alle
Ist Vectoring die Lösung?

Aktualisiert am 28-11-2019

Für schnelles Internet für alle müssten u. a. vorhandenen Kupfer- durch Glasfaserkabel ersetzt werden – überall. Und da liegt das Problem.

Schnelles Internet für alle

Auch für die Datenübertragung z. B. der Telekom werden / wurden zunächst die bestehenden, von der Deutschen Post übernommenen, Telefonnetze genutzt. Die damals verlegten Kupferkabel haben jedoch einige Nachteile:

  • elektromagnetische Störungen
  • Signal-Überlagerungen
  • niedrige Übertragungsgeschwindigkeiten

So kann über Kupferkabel i. d. R. nur eine maximale Übertragungsrate von 50 MBit/s erreicht werden. Je länger die Entfernung zum nächstgelegenen Verteiler ist, desto langsamer ist des „Netz“ beim Endnutzer.

Mit modernen Glasfaserkabeln sind im Telekom-Netz momentan jedoch schon Geschwindigkeiten von bis 250 MBit/s möglich.

Ausbau des Glasfasernetzes

Zunächst scheint es relativ einfach zu sein, ein schnelles Internet für alle zu realisieren. Die Telekom müsste nur die alten Kupferkabel durch Glasfaserkabel ersetzen. Somit wäre die Verfügbarkeit nur eine Frage der Zeit (und des Geldes).

Strenggenommen handelt es sich jedoch um zwei Netze. Einerseits die Leitungen, die von der Vermittlungszentrale zum Verteiler führen. Andererseits die Kabel, die den Verteiler mit den einzelnen Hausanschlüssen verbinden bzw. innerhalb von Häusern verlegt sind. Die Telekom vertritt die Auffassung, dass auch letztere ihr gehören. Konkurrenten wie Vodafone oder Unitymedia sehen sie jedoch als Bestandteil des Grundstücks an. Dementsprechend wären die jeweiligen Hausbesitzer auch Eigentümer der Leitungen. Nach Meinung der Bundesnetzagentur gehört die Verkabelung laut Telekommunikationsgesetz zum Teilnehmeranschluss.

Daraus folgt, dass deren Eigentümer der Betreiber des Telekommunikationsnetzes sei. Also entscheide dieser auch über die Nutzung der Leitungen und nicht der Haus- / Grundstückseigentümer. Auch wenn somit die Telekom der Eigentümer aller Kabel ist, bedeutet das nicht, das alle Leitungen gleich behandelt werden. Was aber die Voraussetzung für ein schnelles Internet für alle wäre.

Schnelles Internet durch Vectoring

So vermeldet die Telekom monatlich neue Erfolge beim Glasfaser-Ausbau, verschweigt jedoch, dass es sich dabei nur um die Kabel bis zum Verteiler handelt. Hinter dem Verteiler bleibt aber alles beim Alten. Es sei denn, die Haus- / Grundstückseigentümer wären bereit, für einen Austausch der vom Verteiler abgehenden Leitungen selbst zu zahlen. Allein aufgrund der Höhe der Kosten ist deshalb die Anbindung jeder einzelnen Wohnung mit Glasfaserkabel in absehbarer Zeit nicht zu verwirklichen. Schnelles Internet für alle also Fehlanzeige.

Als Ausweg aus dem Dilemma propagiert die Telekom das Vectoring. Diese Technologie soll die Störungen bei Kupferkabeln vermindern bzw. ausgleichen. Anschließend wären höhere Geschwindigkeiten (bis zu 100 MBit/s) möglich.

Hierzu installiert die Telekom in den Verteilerkästen Vetoring-Geräte, die Störsignale ausschalten sollen. Allerdings kann an einem Verteiler nur ein Vectoring-Gerät eingesetzt werden.

Auswirkungen auf die Konkurrenz

Da die Telekom im Gegensatz zur früheren Deutschen Post kein Netz-Monopol mehr hat, gibt es Konkurrenzunternehmen, die ebenfalls schnelles Internet für alle anbieten (wollen). Hierfür haben z. B. Vodafone und Unitymedia eigene Glasfaserkabel bis zu den Hausanschlüssen verlegt.

Und an diesen, sich meistens im Keller befindlichen Übergabepunkten kommt es zu neuen Störungen. Denn von dort führen (alte) Kupferkabel in die Wohnungen. Wenn neben der Telekom auch noch andere Anbieter Zugang zu diesen Kabeln haben, stören sich die Signale gegenseitig. Und diese Frequenzüberschneidungen können zu Verbindungsabbrüchen führen.

Drosselung

Als Eigentümerin der Kabel sieht die Telekom zwei Lösungsmöglichkeiten. Einerseits das Abschalten der (anderen) Glasfaser-Anschlüsse. Andererseits die Aufforderung, die Konkurrenten sollten Frequenzen für das Vectoring freimachen. Daraufhin wäre die Leistung der Konkurrenz-Leitungen auf max. 600 MBit/s begrenzt.

Noch wäre diese Drosselung das kleinere Übel, da die Leitungen noch nutzbar wären und die meisten Kunden sowieso wesentlich geringere Geschwindigkeiten buchen. Aber im Hinblick auf zukünftige Geschwindigkeiten im Giga-Bit-Bereich würde das die Konkurrenten quasi vom Markt verdrängen.

Fazit

Wie schon in vielen anderen Bereichen zeigt sich auch hier, dass zwar die Gesetzgebung bzw. die Behörden die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben wollen, gleichzeitig jedoch alles tun, um sie zu bremsen.

Stephan Albers, Geschäftsführer des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko), sagt dazu:

Anstatt zukunftssicherer Glasfaser bis in die Gebäude einen klaren Vorrang einzuräumen, wird vielmehr der Telekom ein Bestands- und Vertrauensschutz auf ihre längst abgeschriebene Kupfer-Infrastruktur gewährt. Die Telekom erhalte damit ein „Quasi-Monopol“ über die Gebäudeverkabelung. Dies sei das falsche Signal vor allem vor dem Hintergrund der neuen Breitbandziele der Bundesregierung, die Deutschland bis 2025 flächendeckend mit Gigabit-Geschwindigkeit versorgt sehen will.

Quelle: WELT

Schnelles Internet für alle wird demzufolge auch in der näheren Zukunft ein Traum bleiben.

Von Ellena © Grafiken: eb

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2 Gedanken zu „Schnelles Internet für alle | Ist Vectoring die Lösung?“

    • Hallo Dieter,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich denke, das geht vielen so. Werbeversprechen und Realität klaffen halt oft meilenweit auseinander.

      LG Ellena

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