Datenschutz bei Sprachassistenten | Ein lösbares Problem?

Immer mehr Menschen nutzen Alexa, Siri oder den Google Assistant. Je besser die Anwendungen werden, desto mehr bleibt der Datenschutz bei Sprachassistenten auf der Strecke. Gibt es eine Lösung des Problems?

Aktualisiert am 28-11-2019, Ellena

Datenschutz bei Sprachassistenten
Grafik: eb

Datenschutz bei Sprachassistenten

Grundsätzlich gelten für Sprachassistenten die gleichen Regelungen zum Datenschutz wie für Webseiten, Apps, Geräte etc. auch. Dennoch gibt es immer mehr Kritik. Vor allem, dass Mitarbeiter der Hersteller die „Gespräche“ mit Alexa und Co. sowie andere Sprachnachrichten abhören, sorgte für Aufregung. So war schon im April 2019 zu lesen:

Sie hören bis zu 1000 Clips pro Schicht: Der Tech-Riese Amazon beschäftigt Tausende Mitarbeiter, die Aufnahmen des Sprachassistenten Alexa abtippen.

Quelle: WELT.DE

Ähnliche Meldung bezüglich Google Assistant und Siri ließen dann nicht lange auf sich warten.

Fremde Menschen hören zu!

Für die Betroffenen war der eigentlich Skandal jedoch nicht nur, dass irgendwelche Menschen irgendwo in der Welt wissen, was ich sage. Denn denken sich wahrscheinlich, dass die Unternehmen selbst sowieso die Nutzerdaten kennen und hoffen, dass diese entsprechend verantwortungsvoll damit umgehen. Als viel problematischer wird die Erkenntnis eingestuft, dass nicht nur Amazon, Google oder Apple das wissen. Sondern dass externe Vertragspartner dieser Unternehmen involviert sind.

Zwar haben diese sicherlich Verträge abgeschlossen, die zur Verschwiegenheit verpflichten, aber nichts genaues weiß man nicht. Und es wäre ja nicht das erste Mal, dass solche Firmen ihre Kenntnisse doch für eigene, gewinnbringende Zwecke nutzen. Außerdem erhöht sich das Risiko, dass die gespeicherten Mitschnitte auf anderen Wegen an die Öffentlichkeit gelangen.

Warum hören sie zu?

Um die Frage zu klären, sollte sich jeder die Funktionsweise solcher Sprachassistenten vor Augen führen. Diese beruht u. a. auf der sogenannten künstlichen Intelligenz. Vereinfacht gesagt wird das System von Menschen trainiert, bestimmte Anweisungen zu verstehen und entsprechend zu reagieren. Da jedoch jeder eine andere Ausdrucksweise hat, genügt es nicht, nur ein Kommando zu verstehen.

Einfaches Beispiel: Ich interessiere mich für meine nächsten Termine. Einerseits könnte ich sagen „Öffne den Kalender“. Andererseits aber auch „Zeig mir den Kalender“ oder „Zeige meine nächsten Termine“. Der Sprachassistent soll aber in allen Fällen das gleiche tun. Infolgedessen muss er lernen, dass die drei unterschiedlichen Kommandos zum selben Ziel führen sollen.

Natürlich sind die Aufgaben im täglichen Leben zum Teil wesentlich komplexer. Zu den unterschiedlichen Formulierungen kommen auch noch sprachliche Eigenheiten. Bei einem Süddeutschen hört sich u. U. dieselbe Anfrage anders an, als bei einem Norddeutschen. Dementsprechend viel muss der Assistent lernen, um möglichst schnell richtig zu reagieren. Und dazu braucht es zunächst auch Menschen, die die unterschiedlichen Kommunikationsweisen analysieren, um das System stetig zu verbessern. Google erklärt dazu:

Als Teil unserer Arbeit zur Entwicklung der Sprach-Technologie in mehr Sprachen, beschäftigen wir Sprachexperten in der ganzen Welt, die die Nuancen und Akzente bestimmter Sprachen verstehen. Diese Sprachexperten überprüfen einen kleinen Teil der Fragen und schreiben sie auf, um uns zu helfen, jene Sprachen besser zu verstehen. Dies ist ein kritischer Teil beim Aufbau der Sprachtechnologie und er ist notwendig, um Produkte wie Google Assistant zu entwickeln.

Quelle: GOOGLE (aus dem Englischen übersetzt)

Datenschutz bei Sprachassistenten seitens der Anbieter

Wie gehen die betroffenen Unternehmen mit der Kritik an ihrer Vorgehensweise um? Wie wollen sie den Datenschutz bei Sprachassistenten erhöhen? Zunächst berufen sie sich auf ihre Datenschutzerklärung. Darin weist Amazon darauf hin, dass die Sprachaufnahmen möglicherweise bei der Entwicklung neuer Funktionen verwendet und hierbei manuell überprüft werden, um ihren Services zu verbessern. Ähnliches ist auch bei Apple und Google zu lesen. Die Nutzer sind aufgeklärt, also eigentlich doch kein Problem.

Dennoch haben zumindest Google und Apple die Auswertung durch Menschen ausgesetzt. Apple teilt zudem mit, dass in Zukunft die Nutzer aktiv die Erlaubnis zur Auswertung der Mitschnitte durch (eigene) Mitarbeiter verweigern können. Ein entsprechendes Update sei bereits geplant.

Problem Nutzererwartung

Wie in anderen Bereichen, sitzt das Problem Datenschutz bei Sprachassistenten nicht nur „im“ Gerät, sondern auch davor. Die Nutzer erwarten eine umgehende, korrekte und umfassende Reaktion auf ihre Fragen und Anweisungen. Das kann nur funktionieren, wenn das Gerät seinen Nutzer auch kennt. Und um ihn kennenzulernen, muss es möglichst viele Daten sammeln.

Das Prinzip gleicht dem der Suchmaschinen. Warum nutzen die meisten Menschen Google? Weil Google alles weiß. Warum weiß Google alles? Weil es alle Daten sammelt, die es nur kriegen kann. Wenn du eine Suchmaschine nutzt, die nicht so eifrig sammelt, sind eben auch die Suchergebnisse nicht immer auf Anhieb so perfekt.

Dasselbe gilt für Sprachassistenten. So wird Siri oft belächelt und als „nicht so toll“ abgetan, weil Apple eben nicht ganz so viele Daten speichert wie Google oder Amazon. Dementsprechend ist Datenschutz bei Sprachassistenten zu einem nicht geringen Teil eine Frage des Nutzerverhaltens und der Nutzererwartung.

Nutzer und der Datenschutz bei Sprachassistenten

Die radikalste Lösung wäre natürlich Alexa und Co. gar nicht erst zu kaufen bzw. Google Assistant oder Siri komplett zu deaktivieren. Aber das muss nicht sein. Denn du kannst das Analysieren deiner Sprachaufnahmen untersagen. Nur sind diese Einstellungen recht versteckt:

Alexa

  1. Menü Alexa Datenschutz
  2. Untermenü Legen Sie fest, wie Alexa Ihre Daten verbessern soll
  3. oberen Schalter auf Aus.

Daten löschen:

  1. Einstellungen
  2. Alexa Datenschutz
  3. Sprachaufnahmen Verlauf prüfen
  4. gespeicherte Daten löschen

Per Sprachbefehl::

  1. Im Menü
  2. Löschen per Sprachbefehl aktivieren
  3. Anschließend bei Bedarf:
  4. Alexa, lösche was ich gerade / heute / … gesagt habe

Google Assistant

  1. Einloggen in myaccount.google.com
  2. Datenschutz
  3. Personalisierung
  4. Sprach- und Audioaktivitäten
  5. Speichern von Sprachbefehlen deaktivieren

Daten löschen:

  1. Im gleichen Menü:
  2. Aktivitäten verwalten
  3. Anfragen anhören und löschen oder
  4. Menü-Symbol rechts oben
  5. alle gespeicherten Aufnahmen löschen

Außerdem kannst du in der Google Home App unter Meine Aktivitäten festlegen, ob Google die Daten nach 3 oder 18 Monaten automatisch löschen soll.

Siri

Apple nimmt den Datenschutz bei Sprachassistenten von Haus aus etwas ernster. So erfasst Siri zwar deinen Namen und deinen ungefähren Standort, alle anderen Aufnahmen sind jedoch mit einer zufälligen Identifikationsnummer versehen. Deshalb lassen sich die sechs Monate lang gespeicherten Daten nicht mehr einer Person / einem Gerät zuordnen. Spätestens nach zwei Jahren löscht Apple auch die Kopien der Audiodaten. Um die Datensammlung einzuschränken, hast du die Möglichkeit festzulegen, worauf Siri Zugriff hat.

  1. Einstellungen
  2. Siri & Suchen
  3. Liste der Apps
  4. Siri & Vorschläge, Sperrbildschirm mit Siri verwenden deaktivieren

Außerdem

  1. Einstellungen
  2. Ortungsdienste
  3. Siri & Diktieren
  4. Zugriff auf Standort erlauben
  5. Nur bei Verwendung / Nie.

Mehr Datenschutz bei Sprachassistenten ab Herbst 2019

Am 28. August 2019 entschuldigt sich Apple in seinem Newsroom dafür, dass das Unternehmen seinen hohen Maßstäben nicht vollständig gerecht geworden ist. Deshalb bleibt der Siri-Qualitätsauswertungsprozesses gestoppt, bis im Herbst 2019 ein Software-Update mit folgenden Änderungen an die Nutzer verteilt wurde.

  • Standardmäßig keine Speicherung von Audioaufzeichnungen von Siri-Interaktionen mehr – nur noch computergenerierte Transkripte.
  • Nutzer können per Opt-in selbst entscheiden, ob sie zur Verbesserung von Siri beitragen möchten. Die Zustimmung dafür, dass Siri aus den Audioproben der Anfragen lernen kann, können sie jederzeit widerrufen.
  • Falls ein Nutzer zugestimmt hat, hören ausschließlich Apple-Mitarbeiter die Audioproben. Außerdem sollen diese jede Aufnahme, die als unbeabsichtigter Auslöser von Siri erkannt wurde, löschen.

Fazit

Um das Problem Datenschutz bei Sprachassistenten zu lösen, sind beide Seiten gefragt. Die Unternehmen, die dafür sorgen sollten, dass

  • weniger Daten gespeichert werden,
  • diese anonymisiert sind und
  • nicht in falsche / dritte Hände gelangen.

Aber auch du als Nutzer hast einige Möglichkeiten, eine gewisse Privatsphäre zu wahren. Allerdings bleiben dabei gewisse Komforteinbußen nicht aus. Denn wenn Alexa, Siri und Co. nicht alles über dich wissen, können sie es auch nicht ausplaudern. Weder dir gegenüber noch gegenüber anderen Menschen. Infolgedessen ist beim Datenschutz bei Sprachassistenten auch eine gewisse Mitarbeit deinerseits gefragt.


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