Bots und Botnetze | Wann sind sie nützlich, wann gefährlich?

Aktualisiert am 28-11-2019, von Ellena

Internet ohne Bots – undenkbar. Doch manche sind problematisch. Tipps zum Erkennen und zum Umgang damit z. B. in sozialen Netzwerken.

Was sind Bots und Botnetze?

Zunächst sind Bots (Roboter) einfach nur Computerprogramme, die automatisch und wiederholt bestimmte Aufgaben ausführen. Entweder erhalten sie ihre Befehle von einer Person oder sie sind Bestandteil eines ganzen Netzwerks. Dann können Bots sich auch gegenseitig Anweisungen geben. Dabei ist eine direkte Interaktion mit menschlichen Wesen, abgesehen von ihrem Meister (Botmaster), nicht notwendig.

Einerseits wäre das Internet in der heutigen Form ohne Bots nicht möglich. Andererseits kann diese Technik auch für kriminelle Zwecke eingesetzt werden. Infolgedessen gibt es viele gute, aber leider auch zunehmend mehr böse Bots.

Gute Bots

Diese erfüllen viele nützliche Aufgaben und arbeiten u. a. …

  • Für Suchmaschinen: Einer der bekanntesten ist der Google-Bot. Unentwegt durchsucht er das Internet nach Schlüsselworten, Webseiten und deren Inhalten, Bildern etc.
    Zum einen ist dies beispielsweise für die Indexierung von Webseiten wichtig. Zum anderen hilft Ihnen ein Bot bei der Suche im Internet. Wenn Sie eine Anfrage bei Google eingeben, kriecht der Bot durch das Netz (Webcrawler). Anschließend bietet Google Ihnen seine Beute als Suchergebnis an.
  • In sozialen Netzwerken und Messengern:  Dort haben Bots vor allem zwei Hauptaufgaben. Sie helfen Ihnen bei der Suche nach Personen und Inhalten. Außerdem kontrollieren sie Chats und Foren. Gegebenenfalls bereinigen sie unzulässige Inhalte.
    Darüber hinaus bieten einige Online-Dienste News-Bots an. So haben Sie bei Telegram die Möglichkeit einen oder mehrere Bots zu abonnieren. Anschließend erhalten Sie automatisch aktuelle Mitteilungen und können auch mit diesem Bot kommunizieren.
  • Bei Spielen: Bots helfen Ihnen bei der Ausführung von Spiel-Aktionen und sind Ihr virtueller Mitspieler.
Bots
Grafik: eb

Botnetze

Die meisten Botnetze haben weniger gute Absichten. Über sie werden Schadsoftware sowie Viren verbreitet. Die einzelnen Bots suchen ungeschützte Geräte oder Programme und infizieren diese.

Des weiteren können Botnetze Unmengen an Spams als Kommentar auf Webseiten oder an E-Mail-Konten senden. Entweder soll das der Verbreitung von Links dienen oder sie wollen persönliche Daten wie Kreditkarten- und Kontonummern (Phishing) stehlen (Norton).

Zuletzt können Botnetze auch ganze Server lahmlegen, indem sie diese solange mit irgendwelchen Anfragen bombardieren, bis der Server wegen Überlastung abstürzt.

Social Bots

Dabei handelt es sich um Spam-Bots mit unterschiedlichen Aufgaben und Zielen. Zunächst richten sie i. d. R. Fake-Accounts ein. Hierzu „brechen sie in echte Profile ein“ und übernehmen diese. Oder sie basteln aus den Namen, Texten und Fotos echter Profile ein neues Fake-Profil.

Anschließend suchen sie nach bestimmten Begriffen / Hashtags und überfluten dann Timelines mit Kommentaren. Vor allem wenn sie Bestandteil eines Botnetzes sind und sich gegenseitig liken und kommentieren, ist ihr Ranking schnell höher als das regulärer Konten, ohne dass ihre Posts eine echte Relevanz hätten.

Das kann so weit gehen, dass sie zu sogenannten Trendsettern / Influencern aufsteigen. Aufgrund der Vielzahl an Posts und Kommentaren und entsprechend prominenter Position in den Timelines, sehen viele Nutzer dann diese Fake-Nachrichten als Realität an.

Wenn etwas so oft gepostet wird, muss es ja wahr sein …

Troll-Bots

Eine Untergruppierung der Social Bots sind sogenannte Troll-Bots. Da sie sich mit oft provokanten Kommentaren an aktiven Diskussionen beteiligen, entwickelt sich eine u. U. endlose Kommunikation. Natürlich führt diese zu nichts. Denn Bots kannst du nicht überzeugen und sie sind auch nicht zu Kompromissen bereit. Bestenfalls sind sie nur lästig. Schlimmstenfalls können durch die Hass-Kommentare echte Nutzer ruiniert werden.

Fake-Profile erkennen

Da die meisten Fake-Profile oft sehr authentisch wirken, ist es nicht leicht diese zu entlarven. Mittlerweile gibt es schon Firmen, die sich auf das Erstellen solcher Profile spezialisiert haben. Dementsprechend liefern sie recht professionelle Ergebnisse. Deshalb müssen auch die sozialen Netzwerke zunehmend mehr Aufwand betreiben, um Fake-Profile zu erkennen und zu löschen.

Jedoch gibt es einige Punkte, die Sie zumindest stutzig machen sollten:

  • Profil- und Post-Bilder sind in der Regel unpersönlich = Massenware
  • Relativ kurze, nichtssagende oder reißerisch aufgemachte Selbstdarstellung
  • Die Zahl derer, denen der Profil-Inhaber folgt, übersteigt bei weitem die Zahl der Follower
  • Viele solcher Profile sind nur in kyrillischer Schrift abgefasst.

Spam-Kommentare und -Likes

Auch hierbei gibt es einige Auffälligkeiten:

  • Oft passen die Kommentare nicht in den Zusammenhang,
  • sind oberflächlich (allgemeine Phrasen),
  • sprachlich (sehr) fehlerhaft / kaum verständlich, z. T. vulgär,
  • provozierend, hetzend oder verunglimpfend,
  • gehen nicht auf Gegenargumente ein.

Weniger offensichtlich, aber auch verdächtig sind Kommentare, die Ihren Post / Beitrag (zu) sehr loben. Wenn Sie weiterlesen, werden Sie feststellen, dass die Bewertung kaum bis gar nicht zu Ihrem Post passt. So wird auf Details eingegangen, über die Sie gar nichts geschrieben haben.

Des weiteren sollten die Alarmglocken läuten, wenn viele Kommentare und Likes innerhalb kürzester Zeit (wenigen Sekunden / Minuten) ankommen. Denn das ist sicher kein Zeichen von Interesse an Ihnen / Ihren Posts. Ein Mensch ist nicht in der Lage, so schnell durch eine Timeline zu scrollen. Geschweige denn gezielt Kommentare zu schreiben.

Warum schaden diese Aktionen?

Wer fühlt sich bei viele Likes und/oder Kommentaren nicht geschmeichelt. Außerdem misst sich der Wert einer Veröffentlichung unter anderem auch daran. Deshalb sind sie doch eigentlich gut, oder?

Nicht alle Kommentare zielen direkt darauf ab, Sie oder Ihren Post nieder zu machen. Trotzdem sind sie auf Dauer eher kontraproduktiv. Denn die Urheber haben keinerlei Interesse an Inhalten. Deshalb werden sie Ihre Posts auch nicht mit anderen Personen teilen. In der realen Welt werden Sie also nicht bekannter. Und ein „Like-Sturm“ trägt genauso wenig zu Ihrer tatsächlichen Beliebtheit bei.

Seriöse Unternehmen und viele (potentielle) Follower schauen etwas genauer hin. Wenn sie zu viele unsachliche oder negative Reaktionen lesen, zweifeln sie schnell auch an Ihrer Seriosität oder der Ihres Produkts.

Deswegen ist es keine gute Idee, auf Angebote Dritter, die Ihnen viele Likes und Kommentare versprechen, einzugehen. In diesem Fall ist der Anbieter zwar eine reale Person. Aber diese kassiert nur die Gebühren. Hinterher agieren – wie sollte es anders sein – Bots.

Was können Sie tun?

Wirklich verhindern können Sie das Treiben von Bots nicht. Egal ob auf Ihrer eigenen Website, bei Facebook, Instagram oder Twitter, Bots sind überall.

Die folgenden Tipps können jedoch helfen, nicht in Bot-Falle zu tappen.

  • Sehen Sie sich Profile von neuen Followern kritisch an.

Wie ist das Profil aufgebaut, welche Posts und Kommentare erscheinen in der Timeline? Erst wenn Ihnen alles stimmig erscheint und zu Ihren Interessen passt, folgen Sie demjenigen ebenfalls.

  • Lassen Sie sich nicht in Diskussionen verstricken, die mit dem Thema eines Beitrags nichts (mehr) zu tun haben.

Sollten Sieden Verdacht haben, dass es sich um Bots handelt, stellen Sie logische Fragen. Wenn Sie keine entsprechende Antwort bekommen, wissen Sie Bescheid. Ignorieren Sie weitere Kommentare aus dieser Quelle.

  • Löschen Sie Spam-Kommentare auf Ihrer Website bzw. aus dem Spam-Filter.
  • Kaufen Sie keine Likes, sondern posten Sie gute Inhalte, um dadurch bekannter zu werden.
  • Nutzen Sie die Sicherheitsfunktionen zum Spam-Schutz in den sozialen Netzwerken.

Spam-Schutz

Aktivieren Sie z. B. bei Twitter

  1. Ihr Profil
  2. Einstellungen
  3. Benachrichtigungen
  4. Qualitätsfilter

Dann erscheinen offensichtliche Fake-Konten gar nicht erst in Ihrer Timeline und in der Liste Ihrer Follower.

Fazit

Zweifelsohne erfüllen viele Bots sehr nützliche Aufgaben. Jedoch gibt es eben auch die dunkle Seite.

Einerseits sind da die absolut kriminellen Schadsoftware-Verbreiter. Andererseits gehören aber auch die recht harmlos wirkenden Spammer dazu. Diese Bots können und wollen Schaden anrichten. Deshalb sind sie eben nicht nur nervig.

Bots und Botnetze überfordern u. U. den Server Ihres Hosters durch das Abfeuern wahrer Kommentar-Salven. Darüber hinaus verlieren Sie an Glaubwürdigkeit, wenn sich in Ihrer Timeline oder auf Ihrer Website unsinnige Kommentare häufen. Außerdem ist es immer verdächtig, wenn Sie wesentlich mehr Likes bekommen, als Sie Follower haben. Oder wenn auf Ihrer Follower-Liste überwiegend obskure Profile auftauchen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Liste der Profile, denen Sie folgen.

Viele Likes / Follower zu haben, dadurch bekannt und ganz oben angezeigt zu werden, strebt wohl jeder an, der online aktiv ist. Doch auch wenn der Gedanke, durch gekaufte Likes etwas nachzuhelfen, noch so verführerisch ist – lassen Sie lieber die Finger davon. Letztendlich ist es besser, Anerkennung von vielleicht wenigen „echten“ Menschen zu bekommen, als von vielen hirnlosen Bots.

Selbst wenn Bots immer besser programmiert sind, haben sie keinerlei wahres Interesse an Ihnen, Ihren Posts oder Ihrem Produkt.

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