Mobilfunknetze | Ausbau, Betreiber und Anbieter in Deutschland

Veröffentlicht: • Aktualisiert: 2019-01-11

In Deutschland betreiben drei Unternehmen Mobilfunknetze und sind somit für den Netzausbau zuständig. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Anbieter, die diese Netze nutzen (jedoch mit Qualitätseinbußen für die Kunden).

Mobilfunknetze
Mobilfunknetze: eb / ebblogs

Mobilfunknetze – Netzbetreiber

Seit der Zusammenlegung von o2- und e-plus 2017 gibt es in Deutschland nur noch drei Mobilfunknetze, also auch nur drei Netzbetreiber:

Telekom Deutschland (D1-Netz), Vodafone (D2-Netz) und Telefónica (E/E+-Netz)

Infolgedessen sind nur die Telekom, Vodafone und o2 (Produktmarke von Telefónica Germany) gleichzeitig Netzbetreiber und Mobilfunkanbieter.

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Frequenzen

Da Mobilfunkfrequenzen knapp sind, versteigert die Bundesnetzagentur diese. So fanden bereits 2010 und 2015 Auktionen statt. Diese ermöglichten es den drei Betreibern, ihr Portfolio zu erweitern und somit ihre Netze weiter auszubauen. Zwar werden in allen drei Mobilfunknetzen die Mobilfunkstandards der der 2. (GPRS / Edge), 3. (UMTS / HSDPA/+) sowie der 4. Generation (LTE) unterstützt. Dennoch unterscheiden sie sich hinsichtlich Qualität, Stabilität und Verfügbarkeit (s. Netzausbau) mehr oder weniger deutlich voneinander.

2019 wird die nächste Auktion stattfinden. Dabei geht es vor allem um Frequenzen für den neuen 5G-Standard. Diese sind notwendig, um in Deutschland innovative Technologien (autonomes Fahren, Internet der Dinge etc.) möglich zu machen. Darüber hinaus soll dann auch Neueinsteigern das Mitbieten erlaubt sein. So könnte United Internet (s. u.) ein Interessent sein. Jedoch wird dieses Ansinnen von den drei Netzbetreibern kritisch gesehen.

Wenn das regionale Spektrum eine Hintertür wird für einen vierten Netzbetreiber, der kaum investieren muss, dann wäre das eine Fehlentwicklung, weil es die Investitionen der anderen komplett entwertet.

Hannes Ametsreiter (VODAFONE)

Da z. B. United Internet bisher kein eigenes Netz betreibt und deshalb u. a. auch weit geringere Investitionskosten hatte, würde das zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

Zukünftiger Netzausbau

Im Rahmen der Versteigerung steckt die Bundesnetzagentur auch die Ziele für den Ausbau der Mobilfunknetze in den kommenden Jahren ab. Beispielsweise bis Ende 2022 mindestens 100 MBit/s für

  • 98 % aller Haushalte je Bundesland
  • alle Bundesautobahnen sowie
  • Bundesstraßen mit Verbindungsfunktion und
  • Schienenwege mit mehr als 2000 Fahrgästen pro Tag

Außerdem die Inbetriebnahme von 500 Basisstationen mit mind. 100 MBit/s in „weißen Flecken“ und 1000 5G-Basisstationen. Des weiteren sollen bis Ende 2024

  • alle übrigen Bundesstraßen mit 100 MBit/s
  • alle Landes- und Staatsstraßen,
  • die Seehäfen sowie
  • das Kernnetz der Binnenwasserstraßen und
  • alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 MBit/s

versorgt sein. Dagegen würden für eventuelle Neueinsteiger andere Auflagen gelten und sie hätten mehr Zeit, diese umzusetzen.

Aktueller Netzausbau

Am weitesten ist der der Ausbau der Mobilfunknetze bei der Telekom fortgeschritten. Während die Netzbetreiber eine LTE-Abdeckung von über 80 % angeben, kommt eine am 10. 12. 2018 veröffentlichte Studie zu wesentlich schlechteren Ergebnissen (2. Wert).

  • Telekom: 98 % / 75 %
  • Vodafone: 93 % / 57 %
  • Telefónica: 80 % / 46 %

Einerseits ist die Abdeckung im Bereich 2G (Edge) bei den drei Netzbetreiber nahezu flächendeckend. Andererseits gibt es bei 3G (UMTS) ähnlich große Unterschiede wie bei 4G (LTE). Wiederum liegen die Mobilfunknetze von Telekom und Vodafone vorne. Wobei das Netz der Telekom im Norden, Westen und Süden nur kleinere Lücken aufweist. Dagegen gibt es im Osten außerhalb der städtischen Regionen noch größere weiße Flecken.

Abgesehen von einer recht guten Abdeckung im Westen und in den Ballungsgebieten weist das Netz von Vodafone im restlichen Bundesgebiet deutlich größere Lücken auf. Von o2 werden diesbezüglich keine genaueren Angaben gemacht.

» ABBILDUNGEN

Bildquellen: Telekom • • • Vodafone • • • o2 (Telefónica)

Geschwindigkeit

Darüber hinaus spielt für dich als Nutzer der Mobilfunknetze jedoch nicht nur die Netzabdeckung eine Rolle. Sondern auch die Geschwindigkeit ist von Bedeutung. Und hier kommen die Mobilfunkanbieter ins Spiel. Falls du deinen Vertrag direkt beim Betreiber eines der Mobilfunknetze abschließt, profitierst du von einer maximalen Geschwindigkeit von

  • 300 MBit/s bzw. 50 MBit/s – 64 kbit/s bzw. 16 kbit/s (Telekom),
  • 500 MBit/s bzw. 100 MBit/s – 32 kbit/s bzw. 32 kbit/s (Vodafone) und
  • 225 MBit/s bzw. 50 MBit/s – 1000 kbit/s bzw. 1000 kbit/s (o2)

im Download bzw. Upload – nach Verbrauch des gebuchten Datenvolumens. Wenn du jedoch bei einem Anbieter buchst, der die Mobilfunknetze nur nutzt, liegen die Maximalgeschwindigkeiten z. T. deutlich darunter.

Mobilfunkanbieter

Die meisten Mobilfunkanbieter ohne eigene Mobilfunknetze nutzen entweder das Netz von o2. Oder sie bieten Tarife im o2 und Vodafone-, seltener auch im Telekom-Netz an.

Ausschließlich das Netz eines Betreibers nutzen mit einer maximalen Geschwindigkeit im Download für das gebuchte Datenvolumen:

Telekom-Netz
32 MBit/s: ja! Mobil – Penny Mobil
25 MBit/s: congstar
25 bis 50 MBit/s (je nach Vertrag): Sparhandy

Vodafone-Netz
500 MBit/s: EWE Mobilfunk
300 MBit/s: Edeka Mobil
32 MBit/s: Lidl Connect
21,6 MBit/s: Callmobile – Five – Freenet Mobile – Otelo
7,2 MBit/s: Rossmann Mobil
k. A.: Lycamobile

o2-Netz
21,6 bzw. 50 MBit/s (je nach Vertrag): z. B. Bild Connect – PremiumSim – simply – WinSim – Yourfone
21,6 MBit/s: Fonic – K-Classic Mobil – sim.de – Tchibo Mobil – e-plus-Anbieter
7,2 MBit/s: Netzclub

United Internet

Als ein potentieller neuer Bieter bei der Versteigerung der Frequenzen wird United Internet genannt. Einerseits hat das Unternehmen mit der Marke 1&1 Drillisch bereits einen relativ großen Anteil am Mobilfunkmarkt. Andererseits steht 1&1 Drillisch wiederum auch hinter yourfone, smartmobil.de, simply, winSIM, DeutschlandSIM, Premium SIM und maXXim, was den Kundenstamm nochmals vergrößert.

Dennoch hat United Internet einen bedeutenden Nachteil gegenüber Telekom, Vodafone und o2. Es verfügt über kein eigenes Netz, auch wenn das in der Werbung unterschwellig so kommuniziert wird. Stattdessen nutzt United Internet die Mobilfunknetze von Vodafone und o2.

Um ganz oben mitspielen und mitentscheiden zu können, hat das Unternehmen natürlich ein Interesse daran, über eigene Frequenzen zu verfügen. Ob das gelingt, ist noch fraglich. Denn die drei bisherigen Netzbetreiber wehren sich gegen die Sonderkonditionen, unter denen dieses möglich sein würde. Einerseits verdienen sie zwar an der Bereitstellung ihrer Mobilfunknetze. Andererseits dürfte United Internet auch in Zukunft die Infrastruktur der „alten“ Betreiber nutzen, ohne sich angemessen an deren Aufbau beteiligt zu haben.

Zusammenfassung

In Deutschland gibt es zwar unzählige Mobilfunkanbieter, jedoch nur drei Mobilfunknetze. Zuerst lässt sich feststellen, dass die Verfügbarkeit nicht in allen Netzen gleich ist. So hat nach wie vor die Telekom insgesamt betrachtet das am besten ausgebaute Netz. Zwar punktet Vodafone in Städten und Ballungsgebieten, schwächelt jedoch auf dem Land. Dagegen hat o2 immer noch ein Defizit beim (4G-) Netzausbau und die meisten Funklöcher.

Des weiteren gibt es Unterschiede bei der maximalen Geschwindigkeit. Hier liegt Vodafone vorne, gefolgt von der Telekom. Und o2 bildet wieder das Schlusslicht. Außerdem kommst du in allen drei Netzen nur in den Genuss aller Vorzüge, wenn dein Anbieter auch der Netzbetreiber ist.

Denn bei allen anderen musst du deutliche Abstriche machen. Vor allem was die Geschwindigkeit betrifft. Wobei du im Telekom-Netz auch bei anderen Anbieter mit 25 bis 50 MBit/s noch schneller unterwegs bist als bei Anbietern im o2-Netz. Dort surfst du meistens nur mit maximal 21,6 MBit/s. Hingegen findest du bei Anbietern im Vodafone-Netz die größte Spanne. Je nach Vertrag reicht die maximale Geschwindigkeit von 7,2 MBit/s bis 300 MBit/s.

Fazit

Abschließend ist festzustellen, dass alle Mobilfunknetze zwar kontinuierlich besser werden. Trotzdem wird es wohl auch in Zukunft eine Mehrklassen-Gesellschaft geben.

Und im europäischen Vergleich? Sowohl hinsichtlich der LTE-Verfügbarkeit als auch der Geschwindigkeit belegen alle drei deutschen Mobilfunknetze nach wie vor die hinteren Plätzen. Um den Anschluss an moderne Technologien nicht ganz zu verpassen, müssen Gesetzgeber und Netzbetreiber noch einiges tun.


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