Affinity Software | Ideale Programme für Grafik / Bildbearbeitung

. Veröffentlicht: • Aktualisiert: 2018-12-14

Bei Affinity Software handelt es sich um Bildbearbeitungsprogramme von Serif. Bisher gehören dazu Affinity Photo und der Affinity Designer. Worin unterscheiden sich die beiden Anwendungen? Für wen sind sie geeignet?

Affinity Software

Nachdem Serif aus Großbritannien lange Zeit „nur“ Programme für Windows entwickelt hatte, kam Tony Brightman (Entwicklungsleiter bei Serif) der Gedanke, eine Reihe völlig neuer Apps herauszubringen. Folgende Kriterien sollte die Affinity Software erfüllen:

Affinity Software
Illustration: eb / ebblogs

Blitzschnelle Performance
Alle wichtigen Disziplinen der Fotobearbeitung, des Vektordesigns und des Desktop-Publishings mussten abgedeckt sein.
Alle Apps sollten dasselbe Dateiformat verwenden.
Die Oberfläche musste übersichtlich bleiben.
Entwickelt für Profis – unverzichtbare Features wie CMYK und 16 Bits würden von Anfang an Teil der Software sein und kein Wizard oder ähnliche Hilfestellungen sollten den wirklich professionellen Workflow stören.

Quelle: AFFINITY-SERIF

Zunächst kam 2014 der Affinity Designer auf den Markt. Anschließend folgte 2015 Affinity Photo und der Affinity Publisher soll das Trio 2019 komplettieren.

» Grafik erstellen
» Ebenen und Gruppen
» Assets
» Fotobearbeitung
» Speichern / Exportieren

Affinity Designer

Obwohl mit dieser Affinity Software auch Fotobearbeitung möglich ist, liegt der Schwerpunkt auf dem Erstellen von Grafiken. Nachdem du das Programm gestartet hast, öffnet sich die Grafik-Oberfläche. Dort findest du am linken Rand alle notwendigen Werkzeuge. Außerdem werden je nach ausgewähltem Werkzeug oberhalb des Arbeitsbereichs zusätzliche Optionen angezeigt.

Des weiteren kannst du am rechten Rand Zusatz-Werkzeuge wie Pinsel einsetzen oder einen Stil bzw. Effekte hinzufügen. Wenn du bei der Erstellung von Grafiken mehreren Ebenen anlegst, kannst du diese hier beispielsweise

  • gruppieren
  • untereinander verschieben
  • duplizieren
  • ein- bzw. ausblenden
  • löschen oder
  • vor einer versehentlichen Änderung schützen.

Zuletzt verfolgst du in einem kleinen Fenster deine Arbeitsschritte und hast die Möglichkeit, im Protokoll beliebig viele Schritte zurückzugehen.

Taskleiste für Designer

Wie bei Macs üblich, kannst du bei der Affinity Software viele Optionen nicht nur „per Rechtsklick“ nutzen. Alle grundlegenden Befehle erreichst du (auch) über die Taskleiste deines Desktops. Unter anderem Grafik …

  • neu, öffnen, schließen, in Affinity Photo bearbeiten, exportieren,
  • ausrichten, transformieren, neue Ebene, Füllmodus, Effekte,
  • zoomen, drehen.

Außerdem

  • Seitenränder, Hilfslinien, Raster sowie
  • Kontext-, Symbolleiste, Werkzeuge einblenden und über
  • Studio festlegen, welche Werkzeuge permanent in der Leiste vorhanden sind.

Grafiken erstellen

Wenn du ein neues Projekt mit Affinity Software beginnst, gibst du zunächst die gewünschte Größe ein. Einerseits wählst du unter verschiedenen voreingestellten Formaten. So findest du dort Formate für Druck, Web und Geräte. Andererseits kannst du manuell auch jede beliebige Größe in Pixel, Punkt, Zoll, Fuß, Yard, Millimeter, Zentimeter oder Meter einstellen. Außerdem legst du das Farbformat und -profil sowie den (nicht) transparenten Hintergrund fest.

Anschließend öffnet sich die (erste) Bearbeitungsebene. Dort startest du mit deinem ersten Grafikelement. Entweder du beginnst z. B. mit einem Rechteck und verwendest dann das Vektor-Werkzeug, um eine individuelle Form zu erzeugen. Oder du du nutzt direkt den Bleistift und zeichnest eine Form. Danach kannst du diese jederzeit wieder verändern, indem du erneut das Vektor-Werkzeug aktivierst.

Grafikelement mit Unterelementen

Sofern es sich um eine Grafik mit mehreren Komponenten handeln soll, verwendest du für jede eine eigene Ebene. So kannst du später die einzelnen Bestandteile unabhängig voneinander bearbeiten und anordnen. Beispielsweise legst du bei einem Icon für jeden Schritt eine eigene Ebene an:

Schritt 1 – Symbol aus sich überlappenden Dreiecken (Beispiel):

+ Erstes Dreieck erstellen und Farbe festlegen
++ dieses zwei Mal duplizieren
+++ Duplikat Nr. 1 zur Seite ziehen und Farbe ändern
++++ mit dem zweiten Duplikat wiederholen
+++++ alle Dreiecke nach Wunsch anordnen
++++++ um dieses Gebilde ein (transparentes) Rechteck ziehen

Zum Schluss nutzt du die Ebenen-Übersicht am rechten Rand der Affinity Software und ziehst alle Dreiecke in das Rechteck. Dabei fängst du mit dem später zuunterst liegenden Dreieck an.

Schritt 2 und 3 – Beschriftung mit dem Text-Werkzeug und (abgerundetes) Quadrat für das Icon, jeweils als eigene Ebene anlegen.

Ebenen und Gruppen zusammenfügen

Anschließend setzt du das Icon zusammen. Hierzu benutzt du wieder die Liste deiner Ebenen am rechten Rand des Affinity Software Fensters. Zunächst ziehst du die Dreieck-Gruppe in die Icon-Ebene. Anschließend passt du die Größe an. Da sich alle drei Dreiecke bereits auf einer Ebene befinden, wirkt sich die Anpassung gleichmäßig auf alle Unter-Elemente aus. Wenn du noch eines der Unter-Elemente unabhängig von den anderen verändern möchtest, öffnest du die Gruppe und klickst auf das Unterelement.
Nachdem du auch noch die Schrift in die Icon-Ebene gezogen und angepasst hast, befinden sich nun alle einzelnen Bestandteile des Icon in einer Gruppe.

Wie bei der Dreieck-Gruppe beschrieben, lässt sich auch die Icon-Gruppe auf der Arbeitsfläche beliebig skalieren oder verschieben. Falls noch weitere Ebenen dazu kommen, kannst du die Reihenfolge der Ebenen inkl. ihrer Unter-Elemente ebenfalls umsortieren.

Assets

Neben den Vorzügen der Arbeit mit Vektoren, bringt die Affinity Software noch ein weiteres Highlight mit – Assets. Zum einen sind etliche Design-Elemente von Apple (bei der Mac-Version) bereits vorhanden. Somit kannst du z. B. das Teilen-Icon direkt auf deine Arbeitsoberfläche ziehen. Da es sich in diesem Fall ebenfalls um eine Gruppe handelt, ist nicht nur das Icon als Ganzes, sondern auch jedes Einzelelement anpassbar.

Zum anderen kannst du in der Affinity Software beliebig viele eigene Assets speichern. Das speichern von Design-Elementen oder Gruppen als .svg entfällt. Und du brauchst später nicht mehr auf deinem PC danach zu suchen.

Nachdem sich mit der Zeit sicherlich viele Assets dort ansammeln, wird es früher oder später unübersichtlich. Deshalb ist es sinnvoll, bereits vor dem Ablegen des ersten Assets eine oder mehrere Kategorien anzulegen. Gegebenenfalls erstellst du auch noch Unterkategorien und gibst ihnen jeweils einen Namen.

Arbeiten mit Assets

Beispielsweise könntest du die Dreieck-Gruppe (s. o.), die du mit der Affinity Software erstellt hast, auch für andere Grafiken verwenden. Falls du sie als Logo einsetzen möchtest, muss dieses in unterschiedlichen Größen funktionieren. Dementsprechend sollte die Gruppe verlustfrei skalierbar sein. Um das zu erreichen, sicherst du die Dreieck-Gruppe als Asset. Dafür ziehst du sie einfach aus der noch nicht gesicherten Grafik in das Asset-Fenster. Anschließend steht dir das Asset immer direkt zur Verfügung.

Für jede neue Grafik, in die die Dreieck-Gruppe integriert sein soll, ziehst du das Asset einfach aus dem Asset-Fenster in den Arbeitsbereich. Anschließend lässt sich sowohl die Größe verlustfrei anpassen als auch die Farbe der Unter-Elemente ändern etc. Darüber hinaus kannst du auch Elemente aus der Gruppe entfernen oder neue hinzufügen. Das Original in deiner Asset-Sammlung steht dir trotzdem weiterhin unverändert zur Verfügung.

Fotobereich

Da du unter Umständen im Designer auch Fotos verwenden möchtest, bietet dir die Affinity Software auch hierzu Werkzeuge an. In einem eigenen Bereich findest du die Standard-Werkzeuge zur Fotobearbeitung.

Dabei kannst du zwischen dem Grafik- und dem Fotobereich beliebig hin und her wechseln. Denn alle in einem Bereich erstellten Ebenen werden auch im jeweils anderen Bereich angezeigt. Deshalb ist es auch möglich, Grafik-Elemente zu einer Foto-Ebene hinzuzufügen oder die Reihenfolge der einzelnen Ebenen zu ändern.

Affinity Photo

Sofern dein Schwerpunkt weniger auf Grafik sondern mehr auf Fotos liegt, gibt es eine eigene Affinity Software dafür. Affinity Foto ist ein klassisches Fotobearbeitungs-Programm. Somit beginnst du normalerweise mit einem deiner Fotos. Wenn du es in den Bearbeitungsbereich gezogen oder hochgeladen hast, stehen dir alle üblichen Werkzeuge zur Verfügung.

Auch hier arbeitest du mit verschiedenen Ebenen, so dass du deine Veränderungen jederzeit rückgängig machen kannst, ohne das Ausgangs-Foto zu zerstören. Außerdem ist auch die Bearbeitung von RAW-Dateien möglich.

Darüber hinaus gleicht die Oberfläche der des Designers, mit einfachem Zugriff auf alle Werkzeuge. Wenn du mit dem Cursor über ein Werkzeug fährst, erscheint eine Kurzbeschreibung seiner Funktion. Außerdem blendet die Affinity Software unterhalb des Arbeitsbereichs bei jedem Schritt passende Tipps ein. Falls du etwas Unmögliches versuchen solltest, erhältst du einen (Warn-)Hinweis.

Bearbeitungswerkzeuge

Um einen kurzen Eindruck von den Bearbeitung-Optionen zu bekommen, hier eine Auswahl der angebotenen Werkzeuge.

  • Ansichtswerkzeug (Schwenken), Auswählen, Zuschneiden, Auswahlpinsel, Zauberstab, Auswahlrahmen, Lasso, Hintergrundradierer, Verlauf, Malpinsel, Farbwechsler, Pixelwerkzeug, Farbmischer, Radieren, Bereich radieren, Mittelung
  • Abwedeln, Nachbelichten, Schwamm, Klonen, Rückgängig-Pinsel, Weichzeichnen, Scharfzeichnen, Knotenwerkzeug, Verwischen, Reparieren, Flecken entfernen, Schönheitsfehler entfernen, Restaurieren, Rote Augen korrigieren, Zeichenstift
  • Formen, Grafiktext, Rahmentext, Gitterverzerrung, Perspektive, Zoomen, Bereich füllen
  • Anpassung von Belichtung, Schatten etc.

Aufgrund des klar strukturierten Aufbaus der Affinity Software findest du dich relativ schnell zurecht.

Speichern / Exportieren

Sowohl der Affinity Designer als auch Affinity Photo erlauben das Exportieren in unterschiedlichen Formaten. Mit der Affinity Software ist das das Speichern bzw. Exportieren als

PNG, JPEG, GIF, TIFF, PSD, PDF, SVG, EPS, EXR oder HDR möglich.

Vor allem für reine Web-Grafiken ist .png zu bevorzugen. Sobald es sich jedoch um Grafiken mit Fotos oder reine Fotos handelt, ist die Datei-Größe bei jpeg geringer. Darüber hinaus kannst du die Qualität in diesem Fall noch anpassen. So reichen i. d. R. für Webseiten 50% bis 70% aus. Damit verringert sich natürlich auch die Datei-Größe.

Allerdings genügt das häufig noch nicht den Anforderungen hinsichtlich der Ladegeschwindigkeit von Webseiten. Deshalb ist eine weitere Optimierung durchaus sinnvoll.

Einerseits kannst du ein WP-Plugin wie Optimus in deinem WP-Backend installieren, was sich vor allem bei einer großen Menge an Fotos lohnt. Andererseits ist auch das Angebot von tiny png für die Komprimierung von png und jpeg Bildern empfehlenswert.

Natürlich kannst du dein Foto auch bereits vor der Bearbeitung „verkleinern“, indem du einen kleineren Arbeitsbereich wählst. Anschließend ziehst du das Foto in das Bearbeitungsfenster und passt es an oder wählst den Bildausschnitt aus, den du behalten möchtest. Zum Schluss werden beim Speichern alle Teile des Fotos, die außerhalb der Bearbeitungsebene liegen, automatisch abgeschnitten.

» ABBILDUNGEN

Links und Preise

Die beiden Affinity Software Programme kosten für den Mac sowie für Windows jeweils 54,99 €. Für die iPad Pro-Versionen bezahlst du jeweils 21,99 €.

DESIGNER:

PHOTO:

Darüber hinaus gibt es noch einige Zusatz-Pakete mit speziellen Werkzeugen zu unterschiedlichen Preisen.

Fazit

Affinity Software für Grafiken und zur Fotobearbeitung muss sich keineswegs hinter Programmen wie Photoshop verstecken. Im Gegenteil. So bringt Affinity Photo alle Werkzeuge mit, die du von Photoshop kennst. Aber du kannst mit der Affinity Software wesentlich intuitiver und flüssiger arbeiten. Darüber hinaus sind die Programme auch noch um einiges günstiger.

Und für alle, die professionelle Grafiken erstellen wollen, ist der Affinity Designer meiner Meinung nach sowieso die erste Wahl.

Auch die Affinity Software für iPads hat mich überzeugt. Zwar weicht die Funktionsweise naturgemäß etwas von der der Desktop-Versionen ab. Dennoch sind beide Apps ebenfalls sehr gut. Obwohl Photoshop seine mobile Anwendung stark überarbeitet hat, gefällt mir die Affinity Software nach wie vor bedeutend besser. Denn sie lässt dir alle Gestaltungs-Freiheiten ohne überladen zu sein oder dich zu überfordern.

Wenn du dich eingehender mit Affinity Software beschäftigen und den einen oder anderen Trick kennenlernen möchtest, empfehle ich die Bücher (auch auf Deutsch erhältlich)

Affinity Designer Workbook und / oder das Photo Workbook für jeweils 44,99 Euro plus Versandkosten.

Abschießend noch eine kleine Anmerkung. Falls das Programm einmal abstürzen sollte, ist nicht gleich alles verloren. Vielmehr kannst du dein Werk wieder herstellen und musst nicht von vorne beginnen. Normalerweise musst du lediglich den letzte Arbeitsschritt wiederholen, denn alle vorhergehenden laden automatisch aus dem Zwischenspeicher.


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