Schlecht gemachte Webseiten | Geht es ohne Webdesigner?

Veröffentlicht: • Aktualisiert: 2019-03-20

Ein eigener Internetauftritt ist heute schon fast so selbstverständlich wie die eigene Telefonnummer. Leider sind viele, auch neuere Homepages sehr mangelhaft. Dann doch lieber gar keine, als schlecht gemachte Webseiten?

Schlecht gemachte Webseiten …

Egal ob Konzern, Kommune, Dienstleister oder Privatperson – mit einer eigenen Webseite im Internet vertreten zu sein, scheint irgendwie dazu zu gehören. Einerseits haben Unternehmen i. d. R. eigene Fachleute oder engagieren professionelle Web-Entwickler, so dass die Webseiten meistens in Ordnung sind. Trotzdem gibt es auch da schlecht gemachte Webseiten. Andererseits vermittelt die Werbung, dass das Erstellen einer Homepage ein Kinderspiel sei:

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Quelle: WIX.com

Klingt verlockend? Oder ist es eher wie „Ganz einfach die Haare selbst schneiden“ – spart Kosten und die Haare sind ab. Wie auch immer, u. a. deshalb fühlen sich wohl viele berufen, auf Webdesigner zu verzichten und ihre Homepage selbst zu bauen. Allerdings scheint das Erstellen von Webseiten doch nicht ganz so einfach zu sein. Sonst gäbe es nicht so viele schlecht gemachte Webseiten. Professionell sieht jedenfalls in beiden Fällen meistens anders aus.

Woran sind sie zu erkennen?

Soviel vorweg: In diesem Beitrag geht es nicht um reine Design-Fragen wie rosa Schrift auf hellblauem Grund, die Form der Buttons oder die Aufteilung der Inhalte. Denn das ist in erster Linie Geschmacksache. Sondern als schlecht gemachte Webseiten bezeichne ich solche, die technische (im weitesten Sinne) oder rechtliche Mängel aufweisen. Dazu zähle ich

» Probleme auf mobilen Geräten,
» zu lange Ladezeiten,
» nicht funktionierende Verlinkungen,
» Unübersichtlichkeit,
» unzureichende Pflichtangaben,
» fehlende Aktualisierung und Wartung

Denn mit den sogenannten Page-Buildern (vorgefertigten Bausteinen) kannst du zweifellos optisch ansprechende Ergebnisse erzielen. So ist eine Homepage schnell zusammengesetzt. Und dass dabei die Individualität etwas auf der Strecke bleibt, ist vielleicht auch noch zu verschmerzen. Jedoch liegt das Problem ganz woanders. Zunächst gehört zu einer Webseite mehr als nur ein „buntes Bild“ im Internet. Dahinter steckt eine ganze Menge Technik, auf die du bei den „Fertigbau-Seiten“ wenig Einfluss hast.

Des weiteren muss eine Webseite auch kontinuierlich gepflegt werden. Du müsstest dir also schon ein bisschen Wissen aneignen und regelmäßig Zeit investieren, damit deine Webseite auf Dauer ein positives Aushängeschild bleibt.

Schlecht gemachte Webseiten

Webseiten auf mobilen Geräten

Mehr als 50 % der Internetnutzer besuchen Webseiten regelmäßig über mobile Geräte. Infolgedessen legt nicht nur Google gesteigerten Wert auf für Mobilgeräte optimierte Webseiten:

Mobilgeräte verändern die Welt. Heute hat jeder ein Smartphone dabei und kann damit ununterbrochen kommunizieren, recherchieren und fotografieren. In vielen Ländern gibt es mehr Smartphones als PCs. Deshalb ist es mittlerweile ein Muss, seine Webseite auch für Mobilgeräte zu optimieren.

Quelle: GOOGLE

Das Stichwort heißt AMP (Accelerated Mobile Pages = beschleunigte mobile Seiten) oder Responsive Design. Das bedeutet, dass sich die Webseite automatisch an den kleineren Bildschirm eines mobilen Geräts anpasst. Und zwar nicht, indem der gesamte Inhalt einfach zusammenschrumpft, sondern indem sich der Aufbau der Seite verändert.

Ersteres ist gerade bei vielen älteren Seiten der Fall. Somit ist die häufig auch auf dem Desktop schon schlecht lesbare, weil zu kleine Schrift, auf dem Smartphone gar nicht mehr zu entziffern. Außerdem sind Buttons und Links nicht mehr nutzbar. Wenn du das Bild vergrößerst, musst du es ständig hin und her schieben, um Anfang und Ende der Sätze lesen zu können. Darüber hinaus stimmt der „Klickpunkt“ von Schaltflächen oft nicht mehr, so dass du mehrere Versuche brauchst, um ans Ziel zu kommen.

Wenn deine Webseite mobilfreundlich ist, ordnen sich die einzelnen Elemente untereinander an, Buttons und Bilder sind etwas verkleinert, aber immer noch erkenn- bzw. nutzbar. Und vor allem verändert sich die Schriftgröße nicht.

Schlecht gemachte Webseiten sind solche, die sich nicht an kleinere Bildschirme anpassen können. Sie sind eine Qual für Nutzer mobiler Geräte.

Ladezeit

Ähnlich unangenehm sind Webseiten, die unendlich lange Ladezeiten haben. Nicht nur ist die Welt schnelllebiger geworden, auch die Internetnutzer sind ungeduldiger. Einerseits können lange Ladezeiten in einem schlechten Webhosting (der Server reagiert zu langsam auf Anfragen) begründet sein. Da bliebe dann nur der Wechsel des Hosting-Anbieters.

Andererseits kann die Ursache aber auch auf der Webseite selbst liegen. Entweder ist die Seite schlecht programmiert oder es werden zu viele Einzelkomponenten (z. B. Werbeanzeigen, Schriften von externen Servern, etc.) geladen. Außerdem enthalten schlecht gemachte Webseiten häufig nicht oder unzureichend komprimierte Bilder, deren Datenmengen die Ladezeit enorm verlängern.

Wenn du nicht möchtest, dass Nutzer den Besuch deiner Webseite vorzeitig abbrechen und zu schnelleren Angeboten wechseln, solltest du die Ladezeit z. B. mit dem Google Speed Test überprüfen. Anschließend kannst du sie anhand der Optimierungsvorschläge verbessern.

Tote Links

Ein weiterer Punkt, der Besucher deiner Webseite frustrieren kann, sind tote Links. Einerseits handelt es sich um Links die auf externe Inhalte verweisen. So können die entsprechenden Seiten inzwischen gelöscht sein, so dass nach dem Klick eine Fehlermeldung erscheint. Andererseits laufen möglicherweise auch interne Links ins Leere, weil entweder die URL nicht korrekt ist oder die Zielseiten nicht (mehr) existieren. Deshalb ist es sinnvoll, die Webseite regelmäßig daraufhin zu kontrollieren.

Bei internen Verlinkungen ist das einfach. Du klickst sie an und korrigierst sie. Jedoch ist es wesentlich aufwendiger, alle externen Links zu überwachen. Deshalb kannst du deine Seite z. B. mit dem Free Broken Link Checker über den Browser kontrollieren. Anschließend entfernst du die beanstandeten Links oder korrigierst sie.

Besonders schlecht gemachte Webseiten erkennst du also auch an nicht funktionierenden Links. Wenn es sich dabei um interne Verlinkungen handelt, ist das erst recht peinlich.

Unübersichtlichkeit

Kommt jetzt doch wieder das Design ins Spiel? Nicht so ganz. Denn in diesem Zusammenhang ist unübersichtlich mit fehlender Anwenderfreundlichkeit gleichzusetzen. Infolgedessen handelt es sich weniger um ein optisches als um ein Nutzungsproblem. Offensichtlich orientieren sich viele schlecht gemachte Webseiten (immer noch) am Aufbau von Zeitungen oder Zeitschriften – möglichst viele Informationen auf einer Seite. Um das zu erreichen, werden folgende Fehler gemacht:

  • (zu) kleine Schrift
  • zu viele Menüs
  • überfüllte Seitenleisten

Aber eine Webseite ist kein Magazin. Im Gegenteil. Ziel sollte es sein, Informationen übersichtlich darzustellen und dem Nutzer eine klare Orientierung zu ermöglichen. So ist eine Schriftgröße von 10 Pixel für eine Zeitung ausreichend, für eine Webseite aber viel zu klein. Je nach Schriftart sollten es schon ± 16 Pixel sein. Des weiteren reicht i. d. R. ein Menü am Anfang der Seite, eventuell ein zweites im Footer. Denn weder im Haupt-Menü noch in der Seitenleiste müssen alle Themen einzeln neben- oder untereinander aufgeführt sein. Auf modernen Webseiten zeigt das Menü nur die Hauptthemen, die du dann aufklappst. Anschließend hast du Zugriff auf die jeweiligen Unterpunkte.

Wenn du auf Webseiten drei, vier oder mehr Menüs siehst, die jeweils aus einer langen Liste an Links bestehen, handelt es sich mit Sicherheit um schlecht gemachte Webseiten.

Unzureichende Pflichtangaben

Obwohl die EU-DSGVO schon seit Mai 2018 endgültig in Kraft ist, hapert es immer noch an der Umsetzung. Einerseits existieren Webseiten, denen so etwas wie eine Datenschutzerklärung offensichtlich völlig unbekannt ist. Wesentlich häufiger finden sich Angaben zum Datenschutz aber nur als Unterpunkt im Impressum (s. Beispiel).

Schlecht gemachte Webseiten
Mangelhafte Datenschutzerklärung: eb

Andererseits fehlt auf manchen Webseiten sogar das Impressum und die „Cookie Notice“. Diese beiden Informationen sind jedoch schon seit vielen Jahren in Deutschland Pflicht.
Impressum und eine ausführliche Datenschutzerklärung sind zwei eigenständige Seiten und müssen gut erreichbar sein. Deshalb ist es üblich, die entsprechenden Links im Footer-Bereich (am Ende der Webseite) anzuzeigen.

Falls du danach vergeblich suchst oder im Impressum kaum mehr als die Bemerkung „Wir nehmen den Datenschutz sehr ernst“ findest, ist das ein Indiz für eine schlecht gemachte Webseite.

Pflege der Webseite

Da „man ja heutzutage eine Webseite braucht“, gibt es unendlich viele davon. Meistens beginnt es mit viel Enthusiasmus. Vielleicht wird sogar ein professioneller Webseiten-Entwickler oder Webdesigner engagiert. Dieser entwickelt dann einen Internetauftritt nach deinen Vorgaben und deinem Geschmack – und verabschiedet sich. Jedenfalls ist das häufig so. Oder er kommt alle Jubeljahre mal ins Spiel, wenn größere Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Und in der Zwischenzeit – tut sich nichts.

Bestenfalls fügst du neue Texte oder Bilder hinzu. Aber das Drumherum bleibt unverändert. Falls du auch in Zukunft eine gute und moderne Webseite besitzen möchtest, musst du sie regelmäßig pflegen. Dazu gehören eben nicht nur neue Beiträge, sondern auch das Aktualisieren oder Entfernen alter / veralteter Inhalte. Außerdem sollte sie an neue gesetzliche oder technische Anforderungen angepasst werden. Darüber hinaus sind natürlich auch regelmäßige Updates der Technik dahinter unverzichtbar.

Den meisten Betreibern von Webseiten fehlt dafür aber oft nicht nur die Zeit. Auch verfügen sie nicht über das notwendige Know-how. Da das Betreiben einer Webseite nicht zu ihren Kernaufgaben gehört, wäre es auch zu viel verlangt, von jedem Webseiten-Betreiber zu erwarten, dass er sich entsprechend einarbeitet.

Fazit

Somit zurück zur eingangs gestellten Frage: Geht es ohne Webdesigner? Wenn du nur eine einfache Homepage brauchst und zumindest bereit bist, die notwendigsten Pflegearbeiten regelmäßig durchzuführen – ja.
Allerdings scheitert es auf längere Sicht leider meistens an den technischen und rechtlichen Kenntnissen. Denn du müsstest dich ständig über Neuerungen informieren und sie entsprechend umsetzen.

Deshalb lautet die finale Antwort – NEIN.
Zumindest solltest du einen Webdesigner im Hintergrund haben, der dir fachliche Ratschlägen geben kann. Falls es sich um einen umfangreicheren Internetauftritt handelt, geht es meiner Meinung nach gar nicht ohne die (dauerhafte) Unterstützung durch einen Webseiten-Entwickler.

Denn es ist einer Webseite anzusehen, ob sie professionell erstellt und gewartet ist oder nicht. Durch grobe Fehler, wie die oben beschriebenen, verfehlt die Webseite ihren Zweck. Schließlich soll sie doch einen positiven Eindruck von deinem Unternehmen oder dir selbst vermitteln und Vertrauen wecken. Wenn du dich also nicht um deine Webseite kümmerst, was sollen dann die Besucher über dich und dein Unternehmen denken? Deshalb gilt aus meiner Sicht: Lieber gar keine, als schlecht gemachte Webseiten!


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